RP am 01.11.2007

Menschenfreund mit Schnauz

VON JÜRGEN KARSTEN

Manfred Maurenbrecher, der Berliner Barde mit der dicken Hornbrille, begeisterte in Grefrath. Der Kauz mit dem Schnauz präsentierte in der Buchhandlung Groß Lieder zum Wiederhören.

Er war wieder in Grefrath: Manfred Maurenbrecher, der Mann mit der sympathischen Reibeisenstimme, ein Poet und Liedermacher der ganz besonderen Art. Vor wenigen Monaten war er hier gemeinsam mit Wendelin Haverkamp aufgetreten. Damals wünschten sich viele, er möge noch einmal mit einem Soloprogramm zurückkehren. Diesen Wunsch erfüllte sich Karl Groß von der Grefrather Buchhandlung jetzt selbst und seinen Gästen: 70 waren in den kleinen Laden gekommen.

„Lieder zum Wiederhören“ gab Maurenbrecher am Klavier zum Besten: Viele der Songs hatte man schon beim letzten Mal gehört, hörte die feinsinnigen Texte aber gerne nochmals, hervorragend interpretiert am Klavier von dem Mann, der die meisten Lieder selbst schreibt. Maurenbrecher besingt die kleinen Katastrophen des Alltags wie die großen wie den Klimawandel. Er besingt die Tragik der Menschen, aber er macht sie nicht lächerlich. Er prangert an, wie in seinem Lied vom Großstadtpensionär aus Westberlin mit seinem Haus in der Bannmeile der Hauptstadt und dem „auberginefarbenen Anzug“, der „mal Kultur reinbringt“ in das ehemalige DDR-Umland. Oder in seinem Song um den arbeitslosen Ingenieur, der plötzlich mit den eigenen Vorurteilen („Drückeberger! Zu faul zum Arbeiten!“) von früher konfrontiert wird, als er in eigener Sache die ARGE aufsuchen muss.

Maurenbrecher karikiert und persifliert, aber mit einem Augenzwinkern und viel Hintersinn, immer mit viel Verständnis. Eine neue CD hat er gerade vorgestellt, die er „Glück“ nannte. Und das beschreibt er in all seinen verschiedenen Ausdrucksformen.Der Poet am Klavier singt viel von der Liebe und dem ersten Verliebtsein.

Zwischen den Songs erzählt er Geschichten: mal skurril und bizarr, mal witzig und frech, mal lyrisch und mal zum Nachdenken anregend, immer aber pfiffig und intelligent. Hier singt kein Hau-drauf, auch wenn die Akkorde zuweilen gewaltig anschwellen, sondern ein kluger Zuhörer und Beobachter menschlicher Schwächen.

Kein Zweifel: Maurenbrechers Lieder, die „beim Singen entstehen“, machen süchtig. Auch deshalb könnte sich Karl Groß einen weiteren Abend mit ihm vorstellen.