WZ vom 01.11.07

Grefrath: Manfred Maurenbrecher - Liebevoll, skurril - und böse

Manfred Maurenbrecher begeistert in Grefrath mit seinen Liedern und Geschichten. Fast drei Stunden lang gab er sein Können zum Besten.

Von Detlef Herchenbach

Grefrath. „Ich tue alles, damit Manfred Maurenbrecher nächstes Jahr wiederkommt.“ Beseelt vom soeben Genossenen, gab Buchhändler Karl Gross am späten Montagabend ein großes Versprechen ab.

Zuvor hatte der Liedermacher und Pianist fast drei Stunden lang in der Grefrather Buchhandlung gespielt und gesungen, die etwa 70Besucher in seinen Bann gezogen.

„Ich denke mir nur ’nen neuen Titel aus und ändere ansonsten nichts.“ Manfred Maurenbrecher

Der 57-Jährige ist nicht einfach „nur“ Sänger und Pianist, sondern auch Erzähler. Detailreich redet er vor allem über Geschichten, die er in Berlin und in der ländlichen Umgebung seiner Heimatstadt beobachtet hat.

Oder auch nicht. So manches Mal weiß man nicht, wo die Realität aufhört und die Fiktion anfängt. Was eigentlich auch völlig egal ist.

Denn das ändert nichts am Reiz der Geschichten. Die sind meist von großer Zuneigung und Zärtlichkeit geprägt, so manches Mal skurril. Und mitunter so böse, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Oder alles ist so verwirrend, dass man eigentlich gar nichts mehr weiß…
Genauso ist es bei Maurenbrechers Liedern. Da geht es einerseits um den Mann und „Das alte Fahrrad“, darum „Wieder verliebt“ zu sein, um ein Paar in der „Sufi-Bar“.

Andererseits gibt es den Titel „Hemd auf, Brust raus, Hose runter“, der vom Absturz eines gut bezahlten Ingenieurs in Hartz-IV-Gefilde handelt. Und den „Auberginen-Mann“, der von Charlottenburg in die Pampa nördlich der Hauptstadt zieht und dort den Mann von Welt gibt.

Oder das „Lied entstanden beim Singen“. Und natürlich: „Gib nicht gleich auf“, das der Liedermacher liebevoll sein inneres Mantra nennt.

Es gibt 20Songs unter dem aktuellen Programmtitel „Glück“– aber deshalb sind sie nicht zwangsläufig alle neu. Was Absicht ist. „Ich denke mir nur ’nen neuen Titel aus, lass neue Plakate drucken– und ändere ansonsten nichts“, beschreibt der Künstler sein Vorgehen.

Einige Titel seien 20 oder 30 Jahre alt, andere erst einige Wochen. Was allerdings keinen Unterschied macht. Denn wie hat es Konstantin Wecker im Jahr 2002 so treffend formuliert: „Manfred Maurenbrecher bleibt immer derselbe und das ist wunderbar.“

Und das bewahrheitet sich auch bei der jüngsten Ausgabe der „Kultur am Montag“. Denn es ist egal, ob der 57-Jährige die Lieder schon beim Auftritt Mitte Mai zusammen mit Wendelin Haverkamp in der Grefrather Buchhandlung gebracht hat.

Und es ist auch völlig egal, wenn man die Texte nach unzähligem Abspielen der CDs eigentlich schon auswendig kann. Denn Maurenbrecher live zu erleben, ist durch nichts zu ersetzen. Höchstens durch ein erneutes Gastspiel in Grefrath im nächsten Jahr…

Manfred Maurenbrecher

Persönliches: Geboren am 2.Mai 1950 in Berlin, wo er nach wie vor lebt.

Auszeichnungen: 1991: Deutscher Kleinkunstpreis; 1998: Liederpreis des SWR für „Wessi“; 2000: „Goldener Schoppen- Kleinkunstgral“ Berlin; 2002: Deutscher Kabarettpreis; 2005: Preis der Deutschen Schallplattenkritik für die CD „Ende der Nacht“; 2007: CD „Glück“ Platte des Monats November auf der Liederbestenliste.