WZ vom 20.09.07

Ein Saiten-Artist nimmt Abschied

KONZERT Der US-Amerikaner David Lamotte begeistert in der ausverkauften Grefrather Buchhandlung

von Detlef Herchenbach

Grefrath. Was für ein denkwürdi­ger Abend: Sein sechstes und (vorläufig) letztes Konzertes gibt David Lamotte in der bis auf den letzten Klappstuhl besetzten Grefrather Buchhandlung. Zu­gleich ist es eine Premiere: Zum ersten Mal hat der Amerikaner bei der „Kultur am Montag“, die Karl Gross und Regina Ringpfeil vor neun Jahren aus der Taufe ge­hoben haben, musikalische Mitstreiter.

Dies ist eines meiner letzten Konzerte in Deutschland.”
David Lamotte

Über 2000 Konzerte hat David Lamotte in 17 Jahren gegeben – doch damit soll bald Schluss sein. „Dies ist eines meiner letzten Konzerte in Deutschland. Vielleicht für immer.“

Ab 2008 will sich der 39-Jährige dank eines Sti­pendiums in Japan für zwei Jahre internationaler Friedensfor­schung widmen.

Kein Wunder also, dass von Anfang an ein Hauch Melancho­lie über dem Auftritt liegt. Doch die versteht Lamotte beiseite zu wischen — zumindest vorüberge­hend. Immer wieder erzählt er Geschicht(ch)en über seine Lie­der und das Leben, streut char­mant seine Deutsch-Kenntnisse ein, mit deren bescheidenem Volumen er gerne kokettiert. Im Ge­päck hat er nicht nur viele BalIa­den, fröhliche Kinder- und feine Liebeslieder, sondern auch Songs gegen den Krieg. Doch selbst da­bei ist er kein Mann der lauten Töne. So verpackt er seine Kritik am Kriegskurs des US-Präsiden­ten Bush in feine Ironie.

Munter legt der Amerikaner zusammen mit Uli Brand (Gitar­re), Klaus Eisner (Bass) und Mark Metscher (Perkussion) los, die zur Band Farfarello und deren Dunstkreis gehören. Obwohl die Vier erst einmal zusammen ge­spielt haben, klingt es, als sei es nie anders gewesen. Was für die Klasse der einzelnen Akteure spricht.

Doch einigen eingefleischten Lamotte-Fans ist das zu viel. Sie hätten „ihren“ David am liebsten so, wie bei den fünf Auftritten zu­vor: solo. Einige Kostproben sei­nes filigranen Könnens als begna­deter Saiten-Artist und Sänger gibt er nach der Pause. Mit elek­tronischer Hilfe erzeugt er eine Endlos-Schleife mit Gesang oder Gitarrenspiel. Und darauf spielt der Mann ganz wunderbar, mit tänzerischer Leichtigkeit. Erzeugt Töne durch bloße Fingertupfer auf den Instrumenten-Steg. Oder gibt perkussive Einlagen auf dem Hohlkörper. Bevor es allzu an­dächtig wird, geht es im Quartett kräftig mit Bluegrass weiter. Und mit einem Gospel.

Doch je später der Abend bei der „Kultur am Montag“, desto mehr macht sich dann doch Me­lancholie breit. Fast schon greif­bar wird sie bei Songs wie „Let me go“. Dann eine letzte Ansage. Und ein allerletztes Lied, das alle 80 Zuhörer im Stehen hören:
„We are each others angels.“ Und ein allerletzter Applaus. Dann geht David Lamotte hinaus in den Nieselregen der Grefrather Nacht …