WZ vom 13.03.2007

Musikalische Weltreise wie Urlaub für das Ohr

Ulla van Daelen entführt 220 Besucher in der Kapelle des Bestattungshauses Camps mit ihrer Harfe in ferne Winkel des Planeten.

Von Ottmar Nagel

Grefrath. Ein Experiment war es schon: Ein Konzert mit der Harfenistin Ulla van Daelen und dem Bassisten und Percussionisten Urs Fuchs fand am Freitagabend in der Kapelle des Bestattungshauses Camps in Grefrath statt.

Eingeladen hatte die Gleichstellungsbeauftragte Annemarie Quick anlässlich des We1tfrauentages in Kooperation mit dem Buchhändler Karl Groß und den Grünen. Möglicher Skepsis genüber einem derartigen Veranstaltungsort. erteilten rund 200 Konzertbesucher eine quantitative Absage.

Ulla van Daelen kommt von der klassischen Musik, ist als Harfenistin des WDR Synfonieorchesters eine Meisterin ihres Faches. Gleichwohl reicht ihr diese musikalische Betätigung nicht aus. Seit weit mehr als zehn Jahren komponiert sie für ihr Instrument, arbeitet stetig mit Musikern aus anderen Genres zusammen. Diese Arbeit ist dokumentiert auf fünf CDs — Folk-, Jazz- und Weltmusikeinflüsse charakterisieren ihre Stücke.

Auf eine musikalische Reise in alle erdenklichen Ecken der Erde lud sie ein: Südamerika klang an, die vertrackte Rhythmik des Balkans, an Schottland erinnerte eine „Scottish Fantasy“. Es gab afrikanische Klänge, vom Publikum mitgesungenen Grundtonpassagen, aber auch türkische, spanische und chinesische Quellen wurden angezapft und von van Daelen in meist eher kurzen Stücken in bewundernswerter Perfektion vorgetragen.

Auch stilistisch war sie breit aufgestellt. Vom vielumjubelten „G( R )agtime“ über „Surprise“ mit leichten Popjazzelementen, einem der Alten Musik angelehnten „Minnelied“ mit neuen rhythmischen Aspekten oder melodisch schönen, ruhig fließenden, manchmal auch locker swingenden Titeln reichte die Palette.

Urs Fuchs fügte ihrem Harfenspiel die passenden rhythmischen Unterstützungen zu; das machte er stets dezent, ob am Kontrabass, mit der Bodhran, einer irischen oder auch der großen türkischen Trommel, nur ge1egentlich setzte er energische Akzente, dann groovt er stilsicher mit dem spanischen Cajon, selbst sein Bauch muss als Percussionsinstrument herhalten.
Er überraschte aber auch mit gesanglichen Einlagen, die zum Teil an Qbertongesang erinnerten.

Van Daelens Musik sucht die Harmonie das Schöne, sie erinnert manchmal an Urlaub, Unbeschwertheit kennzeichnet zumeist den Gestus ihrer Kompositionen und Abwechslungsreichtum bestimmt in hohem Maße das Programm. Diese Mischung kam beim Grefrather Publikum sehr gut an. Kein Wunder, dass die beiden Künstler erst nach zwei Zugaben und „standing ovations“ entlassen wurden.