RP vom 22.11.2006

Ein Zusammentreffen von Freunden

VON KARIN RAMMANN

GREFRATH Mal wieder öffnete die Grefrather Buchhandlung bis spät in den Abend ihre Türen. Bevor die Weihnachtsdekoration endgültig einziehen konnte, nahm David LaMotte im Schaufenster Platz: ein begnadeter Folkgitarrist und Songwriter aus den USA, ein stiller Botschafter eines anderen Amerikas, abseits der lauten Schlagzeilen mit sehr sensibler Sprach- und Weltwahrnehmung.
Berührende Balladen
Mit seinen Balladen und Songs berührte er das Publikum, unaufdringlich aber mit eigener Intensität: Stets in sich ruhend trug er die Botschaft des anderen Amerikas aus. Eines, das die Biirgerbewegungen noch kennt, das sich nicht ablenken lässt von medialen Zeitalter und der eigenen Wahrnehmung treu bleibt – der Schönheit von Natur und Mensch.
Das führte neben amüsanten Übersetzungserlebnissen – immerhin reichen nach LaMotte zwei Worte, um in Deutschland bestens klar zu kommen: ,,doch!” und ,,genau” – auch zu überraschenden Entdeckungen. Was kann einer Kreditkarte schon Besseres passieren, als zerschnitten in den Saiten von LaMottes Gitarre zu landen?
Also machte er ein Lied daraus und gewann neben dem Applaus des Publikums in den Staaten mal eben den ersten Preis für den besten Folksong. Wie ein guter Freund kam LaMotte dem Grefrather Publikum näher. Wie einer, der zufällig immer schon da war. Dessen Lieder die Distanz zwischen Menschen vergessen ließen. Geschichten von Liebe und Verlust, von brennenden Herbstfarben und der Schwierigkeit, bei verdrehten Menschen aufzuräumen, brachten den Abend zum Glänzen.
Ausgefeilte Instrumentalstücke, seine perfekte Anschlagstechnik und immer wieder glockenartig eingestreute Flageolet-Töne zeigten neben perkussiven Einlagen die ungeheuere Bandbreite des Gitarristen. Wer dann noch Menschen mit Musik verbinden kann, wer da ist und einfach von sich erzählt, ohne sich der Verwertung anheim zu stellen, strahlt eine eigene, innere Autorität aus. ,,Meine Lieder gehen hinaus in die Welt wie Kinder und irgendwann hört man wieder, was aus ihnen geworden ist.”
Umso schöner gestaltete sich der Abend als ein Zusammentreffen von Freunden. Nicht verwunderlich war daher, dass die Pause ebenso lang dauerte wie die Aufführung, war doch genug zu reden, war noch guter Wein da und die Trennung zwischen Publikum und Aufführenden schon längst spielerisch überwunden. So verlängerte sich der Abend wie von allein mit einigen Zugaben.