Grenzland Nachrichten vom 09.11.06

Ein Didgeridoo in der Buchhandlung

von MARIE-CHRISTINE JUST

Grefrath. Die Buchhandlung Gross in Grefrath hat einen stressigen November. Gleich zwei Veranstaltungen der Reihe „Kultur am Montag“ sind in diesem Monat. Am vergangenen Montag fand die erste der beiden Veranstaltungen statt. Dieses Mal ging es musikalisch zu, denn es wurde Jazz gespielt. Markus Türk, vorwiegend Trompeter, überraschte die Zuhörer mit vielen Instrumenten und deren Entstehungsgeschichte.

So spielte er ein Didgeridoo, das Instrument der Australischen Ureinwohner und ein Berimbau, das aus Brasilien kommt, ursprünglich aber aus Afrika stammt. Jedoch spielte Türk auch „normale“ Instrumente wie das Flügelhorn oder die Posaune. Begleitet wurde er auf dem Klavier von Ghomi Rahamefy.

Türk begrüßte die Zuhörer damit, dass er und sein Freund immer noch keine Noten lesen könnten und das sie ebenso gespannt auf das Programm seien wie alle anderen. Da beide Künstler frei improvisieren und nie nach Noten spielen, wird jedes Konzert etwas anders. Vor allem dieses Konzert war besonders: es war bereits das zweite Konzert, das Türk und Rahamefy in der Grefrather Buchhandlung gaben.

Türk ist am Niederrhein schon lange mit seinem Programm erfolgreich, durch den Inhaber der Buchhandlung Karl Gross wurde er im Sommer auf Rahamefy aufmerksam. „Wir haben uns im Juni getroffen“, erklärt er. „Es war ein Tag vor dem Konzert und wir haben fünf Minuten geprobt. Die Chemie hat einfach so gut gestimmt, dass das Konzert am nächsten Tag richtig gut verlief.“ Daraufhin waren die Künstler einige Zeit in Madagaskar, dem Heimatland des Pianisten, und arbeiteten an neuen Stücken, die sie auf Konzerten vorstellten.

Das Konzert am Montag war das vorletzte von fünf Konzerten, die die beiden Künstler in Deutschland spielen. „Wir hoffen, dass diese Konzerte Stoff für eine gemeinsame CD liefern“, sagte Türk, denn beide der Künstler haben bereits eigene CDs herausgebracht. Auch angesichts der Besucher war das Konzert ein voller Erfolg. „Die Schmerzgrenze haben wir heute erreicht“, sagte Gross. Und auch am Ende des Programms griff er dies noch einmal auf: „Ich hoffe Sie hatten alle einen schönen Abend, auch wenn es etwas eng geworden ist.“ Dieser Meinung pflichtete Türk bei: „Es ist faszinierend. In Köln kamen vielleicht 20 Leute zu unserem Konzert und hier, im kleinen Grefrath, kommen 80“.

Doch das Konzert war auch in persönlicher Hinsicht etwas Besonderes für Türk. „Meine Mutter und meine Tochter sind da, außerdem möchte ich das Konzert meinem Vater widmen“, sagte er nach der Pause. Diese gab den Zuhörern die Möglichkeit, mit den Künstlern selbst zu sprechen oder sich einfach die Beine vor dem Buchladen zu vertreten und frische Herbstluft zu tanken.

Während der gestammten Vorstellung stellte Türk jedes seiner Instrumente vor. Er spielte die Einleitung der Stücke mit dem jeweiligen Instrument und kreierte somit ein so genanntes Thema, auf das sich der Rest des Stückes bezieht. Im Verlauf der Stücke griff er dann oft wieder zu seiner Trompete.

Auch das Ambiente war wieder sehr einladend und stimmungsvoll. Im Kerzenschein und mit gutem Wein war es einfach die Musik zu genießen. Manch einer wippte mit dem Fuß im Takt oder wiegte mit dem ganzen Oberkörper. Sobald die Musik anfing war es still und besinnlich. Diesen Genuss wollten viele der Besucher auch nach zweieinhalb Stunden noch nicht aufgeben und klatschten Applaus.

Also spielten Türk und Rahamefy ein langes Stück extra und bedankten sich zum Abschied bei den Zuhörern. Sogar an Gross ist die Musik nicht einfach nur vorbeigezogen: „Sie sind nun schon zum zweiten Mal hier und von mir aus können sie auch noch drei- oder viermal wiederkommen. Mich fasziniert besonders, dass alles improvisiert ist.“ Und auch Türk ergreift zum Schluss noch einmal das Wort: „Es ist schon klasse, zweimal im Jahr im gleichen Club aufzutreten. Ich hoffe, Sie sind nächstes Jahr wieder da.“