RP am 08.11.06

Drive und schwebende Klänge

In der Grefrather Buchhandlung Karl Gross bewiesen der Trompeter Markus Türk und der Pianist Ghomi Rahamefy erneut, wie harmonisch und erfolgreich ihre Zusammenarbeit ist.

VON GERT HOLTMEYER

Er freue sich, sagte Markus Türk, zusammen mit Ghomi Rahamefy „zum Ausgangspunkt unserer Geschichte zurückzukehren“. Es lässt sich ergänzen: einer zwar erst kurzen, aber gleichwohl sehr erfolgreichen Geschichte. Erst in diesem Jahr lernten sich der Pianist Ghomi Rahamefy aus Madagaskar und der Mönchengladbacher Trompeter Markus Türk kennen. Sie gaben ein gemeinsames Konzert in der Grefrather Buchhandlung Karl Gross und legten damit den Grundstein für eine harmonische und erfolgreiche Zusammenarbeit. Sie wurden inzwischen zu Konzerten nach Madagaskar eingeladen, ohne dass sie sich über die Flugkosten Gedanken machen müssen: Die Fluggesellschaft „Air Madagascar“ sponsert die Flüge für beide.

Der zweite Konzertabend begann leise, gewissermaßen vom Punkt Null aus. Rahamefy startete allein am Klavier, präludierte frei in romantisch-impressionistischer Manier. Leise, zunächst fast unmerklich, schlich sich die gedämpfte Trompete mit ein, um dann allmählich die Führung zu übernehmen und das Tempo zu beschleunigen. Beide Musiker sind tadellos ausgebildete Spieler ihrer Instrumente. Bei Türk konnte man sich auch schon beim kürzlich erfolgreich durchgeführten Mönchengladbacher Festival „Jazz in der Kirche“ davon überzeugen, dass er den spieltechnischen Anforderungen seines Instruments voll gewachsen ist, ob es sich nun um die Sicherheit in der Höhe oder um die Geläufigkeit handelt. Dazu spielt er auch noch andere Instrumente und hatte auch noch Ventilposaune, Kornett und Didgeridoo mitgebracht. Das Kornett, auch Flügelhorn genannt, klingt etwas weicher als die Trompete. Markus Türk nutzte die Möglichkeit zur klanglichen Differenzierung und spielte bewusst mit unterschiedlich weichem bzw. harten Ansatz. Der Einsatz des Didgeridoos (Instrument der Aborigines, der australischen Ureinwohner) ermöglichte ihm, statt mit dem tradierten europäischen Tonsystem mit schwebenden Klängen zu arbeiten.

Ghomi Rahamefy ist ein versierter Pianist, dem seine klassische Ausbildung ein technisch souveränes Spiel erlaubt. Er versteht sich aber auch auf die spezifischen Anforderungen des Jazz. Mit der linken Hand bringt er geschickt die „rollenden Bässe“ zum Klingen. Rahamefy kann nicht nur wirkungsvoll improvisieren, sondern auch für den nötigen „Drive“ sorgen. Die Führung und Impulsgebung im Zusammenspiel wechselt regelmäßig zwischen den Spielern. Geschickt greift einer die Anregungen des anderen auf. Beide sind mit viel Engagement und Spielfreude bei der Sache. Es bleibt zu wünschen, dass dieser erst kurzen Zusammenarbeit eine lange, erfolgreiche Zukunft bevorsteht.