22.07.06

"Das letzte Rad" ist der Titel des Erstlingswerks von Thomas Berscheid. Es wird vermutlich nicht das letzte Buch von ihm sein. RP-Foto: Wolfgang Kaiser

Krimiautor dreht am Rad

Mit Thomas Berscheid kam "das Grauen, was dem Dorfe inne wohnt" nun auch nach Grefrath. Mindestens ein Drogentoter geht auf das Konto des 41-jährigen Krimiautors, soviel steht fest.

VON TOBIAS NEUMANN

GREFRATH Mit seinem ersten Krimi kam der gebürtige Düsseldorfer, der hier am Niederrhein aufwuchs, nun in seine Jugendheimat zurück und präsentierte das Werk in der Grefrather Buchhandlung. „Das letzte Rad“ heißt der 185 Seiten starke Kriminalroman, der ganz ohne Folklore auskommt: „Meine Mutter hat mir gesagt, ich solle über etwas schreiben, was ich kenne. Das habe ich getan“, so Berscheid.

Der Chef schrieb Krimis

Doch sein Weg zu dieser Berufung war lang: 1969 zog es ihn durch seine Eltern nach Grefrath, wo er die Schulzeit verbrachte. Nach seinem Studium der Geografie in Köln arbeitete er in der Verkehrsplanung, bevor er Ende der 90er Jahre mit der Programmierung von Webseiten sein Geld verdiente. Sein damaliger Chef schrieb leidenschaftlich gern Krimis, und das rief ihn auf den Plan. Berscheid fing an, ebenfalls zu schreiben und stellte fest: „Bei meiner Arbeit beim Kölner Bürgerfunk habe ich gelernt, Informationen schnell zu strukturieren, sie aufzubauen. Das ist wichtig fürs geplante Schreiben.“ Entstehungszeit der Story: genau eine Woche.
Von 9Uhr morgens bis spät in die Nacht verließ Berscheid nur sein Kämmerlein, um mal kurz eine Pizza zu bestellen. Heraus kam ein lokalisierter Krimi, wie man ihn in ähnlicher Form aus Kempen, Krefeld oder anderswoher kennt. Die Hauptfigur, der Grefrather Student und Spürnase Heinrich Sobeck, erlebt in dem Krimidebüt ein Abenteuer nach dem anderen: ein Rennrad wird ihm gestohlen, dann findet er einen Drogentoten. Die Art seines Helden hat sich Berscheid bei einem ganz Großen angeeignet: besonders Mickey Spillane hat er „ins Herz geschlossen“, um einen Charakter zu erschaffen, der „hart im Nehmen“ ist, sich nicht verlieben will und der „auch mal einen auf die Schnauze“ riskiert. Vielleicht der neue Niederrhein-Schimanski. Autobiographisch sind vor allem die Handlungsorte, Verhaltensweisen einzelner Personen sowie der Wohnort: noch heute leben seine Eltern an der evangelischen Kirche. „Ja, so ist das sagt seine Mutter —denn auch sie erzählt gerne Geschichten. Es macht Spaß, Berscheid zuzuhören.
Und es macht Spaß, sein Werk zu lesen. Hier die Katze, die im wahren Leben 14 Jahre alt wurde, dort das Motiv des Radfahrens — überall findet sich ein Stück Heimat wieder. Und auch ein neuer Krimi ist schon in Planung: „Es geht um Morde, die im Internet vorangekündigt werden…“, murmelt Thomas Berscheid und schaut sich vorsichtig um. Authentischer sind nur seine Bücher.