RP vom 05.07.2006

Jazzer brachten die heiße Luft zum Flirren

GREFRATH (kam) Schon lange ist die Grefrather Buchhandlung mit ihrer Reihe „Kultur am Montag“ eine Perle am Niederrhein. Denn wer schafft es schon, einen leibhaftigen Professor bei fast 40 Grad ins Schaufenster zu stellen und noch lustvoll arbeiten zu lassen? Wer vermag mit eigenen Gespür, Raum zu geben für besondere Jazz Premieren und unvergessliche Momente der Improvisation?

Zwischen Büchern und Bartresen

Gabriele Schürenberg (Vocal) und Frank Haunschild (Gitarre) boten nicht nur für Jazzfreunde Musik vom Feinsten. Zwischen Bücherrücken und Bartresen brachten sie die schwüle Luft zum Flirren. Mit ihren wunderbaren Interpretationen von Jazzklassikern entführten sie die Sinne des Publikums und luden ein zu melancholisch, luftigleichtem Hörgenuss. Mit ihrem eigenen Timbre traf Schürenberg mitten ins Herz. Changierend zwischen italienischer Leidenschaft, französischer Melancholie und dem „Big easy“ der Staaten wusste sie das Publikum in ihren Bann zu schlagen. Und Haunschild, der Meister der Jazzgitarre, schlich sich wie ein streunender Junge charmant-verlegen an ihre Seite: ein musikalischer Flirt, der es drauf ankommen ließ.
Sei es Chick Coreas „Spain“, das in einem atemberaubenden Tempo daher kam, oder sei es die berührende Entdeckung von „Autumn Leaves“ in französischen Originalfassung immer war beim Duo die Lust am Zusammenspiel zu spüren:
reine Hingabe und Leidenschaft, das Schweben im Moment. Besonders deutlich wurde dies auch beim Solo von Gabriele Schürenberg: Duke Ellingtons Bigband Hit „Caravan“ verwandelte sich in eine nicht minder fulminante Stimmperformance mit ungeheuerem Groove. Energetisch und elektrisierend.
Nass geschwitzt und glücklich beendeten Publikum wie Aufführende nach zwei Stunden einen Abend im Bücherschaufenster, dankbar für eine Session der besonderen Art, bei der die Zeit hier und da stehen blieb.

Gage mit Abendessen

Wer es wissen will: Das Geheimnis seines einzigartigen Konzeptes am Niederrhein verriet Veranstalter Karl Gross später ganz ungewollt: „Die Künstler bekommen bei mir alle noch ein Abendessen. Vielleicht kommen sie deshalb so gerne wieder.“ Die nächste Aufführung ist am 6. November mit Jazz-Improvis­ation von Ghomi Rahamefy und Markus Türk.