15.06.06

Musikalische Parforce-Ritte

Pianist Ghomi Rahamefy und Trompeter Markus Türk begeistern in der Grefrather Buchhandlung mit ihren Improvisationen.

Grefrath (dh). Geht das eigentlich? Oder ist es die Quadratur des Kreises? Kann man im Stile eines Keith Jarrett improvisieren, ohne zu spielen wie der amerikanische Über-Pianist? Ja, es geht. Jedenfalls kann es Ghomi Rahamefy. Das bewies der Pianist aus Madagaskar in der Grefrather Buchhandlung von Karl Gross.

Doch was war das nun, was da zu hören war? Jazz? Blues? Bopte es gar? Wer Schubladen für Gehörtes braucht, war bei dieser Veranstaltung falsch. Denn nicht nur, dass der 44-jährige normalerweise ohnehin vom ersten bis zum letzten Ton improvisiert. In Grefrath lief es noch eine Nummer doller: Zum freien Spiel der musikalischen Kräfte trat der Pianist zusammen mit Markus Türk an. Die beiden hatten sich 48 Stunden zuvor zum ersten Mal gesehen, nach wenigen Minuten stand der Entschluss fest.

Der Unterschied zwischen dem Spiel von Jarrett und Rahamefy war an diesem Abend deutlich. Der Mann aus Madagaskar spielt geradliniger, energischer, kraftvoller ohne sich in Kraftmeierei zu ergehen. Beispielsweise gab es nicht das verträumte Verharren auf einem Ton. Vielmehr brach sich Spielfreude in rollenden, fetten Grooves Bahn.

Zum Hörgenuss wurde es vor allem dank Markus Türk. Denn obwohl der Grefrather durchaus auch ein Mann für leise Trompeten-Töne und Archaisches auf dem Digeridoo ist, waren es vor allem die musikalischen Parforce-Ritte, die dieser “Kultur am Montag” den Stempel aufdrückten. Es sei die These gewagt, dass man sich mit Markus Türk an der Seite gar nicht einen ganzen Abend lang verträumten Schwelgereien hingeben kann . . .

Alles in allem war es ein wunderbarer Abend. Ein einmaliger? Wohl nicht. Denn zum Abschluss sagte Gross vor gut 70 begeisterten Zuhörer zu, dass Rahamefy im November erneut in der Buchhandlung auftreten wird. Bleibt zu hoffen, dass sich Türk dazugesellt. Und zwar nur er . . .