27.06.16 Marco Tschirpke mit treffsicheren Pointen

"Frühling, Sommer, Herbst und Günther" und einem begeisterten Publikum

Foto: Lothar Schütze

Der Klavierkabarettist Marco Tschirpke war aus Berlin angereist, um den für ihn bislang unbespielten Niederrhein mit seinen Lapsusliedern und Gedichten zu konfrontieren. Seine scharfe und scharfsinnige Beobachtungsgabe wurde dabei schon auf dem Weg vom Hotel zu unserer Buchhandlung gefüttert,als er an der Katholischen KIrche vorbeikam: “Hier trägt der Jesus einen Schnurrbart!” amüsierte sich der Hauptstädter, um dann zu ergänzen, er habe bislang “selten in einer Ladenecke” seine Auftritte bestritten. Lediglich sein verschmitztes Lachen verriet, dass diese gezielten “Attacken” zu seinem Humorarsenal gehören und mehr als Auflockerungsübung gedacht waren. Das aufmerksame Publikum hatte sehr schnell verstanden, dass hier kein mainstreamiger Dutzendcomedian herumalberte, sondern ein raffinierter Satiriker und Wortspieler am Werke war. Sein Dialog mit den Gästen blieb bis zum Schluß lebendig und unerhört witzig. “Sie sollten Energie sparen und keinen roten Faden suchen” und ähnliche Ratschläge wurden postwendend mit Lachsalven retourniert. Dann kam die Zeit des Klaviervirtuosen Tschirpke: Monk’s Dream wurde kurzerhand im Monk’s Albtraum verwandelt. Donnernder Applaus! Frei wie der Bebop auch seine Sprachschöpfungen, wenn er aktuelle gesellschaftliche Probleme skizzierte: Gerontoerotik , ein Thema , das viele von uns beschäftigt. Tschirpke:” Es bleibt lediglich die Liebe zu den Pflanzen.”
Das Leitmotiv seiner Bühnenshow ist die Unberechenbarkeit, die Überraschung. Soeben noch eine heftige Abrechnung mit Gauck als Bundespräsident (“Kriegstreiber”) , dann zur Auflockerung ein hingeworfenes Zitat;” Mutti, warum hast du dich liften lassen? Papa sucht schon nach dir!” , dann “Rentners Nachtlied”: In Deinen Jahren ist Ruh,Den sabbernden Enkel Setzest du Dir auf den Bauch: Die Windeln, sie liegen auf Halde, Warte nur, balde sabberst du auch.”
Eine faszinierende Vorstellung eines Künstlers, der das Risiko liebt
und dafür mit großem Applaus verabschiedet wurde. CHAPEAU!