17.03.2004

Sogar Tränen der Begeisterung

Bestens in Form war die kanadische Jazzsängerin Judy Rafat in der Grefrather Buchhandlung: Ihr Konzert in der Reihe "Kultur am Montag" ging unter die Haut.

Von Joachim Burghardt

Grefrath. Ein Hauch von Welt zog ein in Grefrath, diesem “kleinen schnuckeligen Ort”, wie ihn Judy Rafat bezeichnete. Die kanadische Sängerin bot am Montagabend in der Buchhandlung von Karl Gross Jazzmusik der Extraklasse. So ausdrucksstark, so voller Leben, dass es gar Tränen der Begeisterung gab bei diesem Konzert, das unter die Haut ging. Vorweg: Nein, es war kein Kneipenjazz. “Musik, nicht zum Tanzen, mehr zum Zuhören, zum Genießen”, hatte die in Duisburg lebende Sängerin zu Beginn angekündigt. Und es war zum Genießen! Blues und Bossa nova, Balladen und Bebop Judy Rafat, Pianist Thomas Rückert und Bassist Markus Schieferdecker gelang das Kunststück, hohen Anspruch lebendig und volksnah rüberzubringen. Rafat gewann mit ihrer klangvollen Stimme und charmant-witziger Moderation schnell die Herzen des Publikums.

Bei “Brother K.”, Dizzy Gillespies Ode an Martin Luther King, hauchte die Kanadierin leicht und langsam in höchsten Tönen, kaum hörbar, rumpelte plötzlich mit der Stimme bis in Bauchtiefe, kreischte, hastete rauf und runter wie ein schnelles Saxofon bester Bebop-Stil. Dass dieses Stück ein Höhepunkt des Abends war, hat zwei Gründe: Mit Gillespie, der 1993 verstorbenen Jazz-Legende, war Judy Rafat eng verbunden, er widmete ihr einige seiner Songs. Und sie ist immer schon eine leidenschaftliche Kämpferin gewesen für die Gleichberechtigung. Nicht nur von Mann und Frau das Konzert fand nachträglich zum Weltfrauentag statt -, sondern vor allem für die Gleichberechtigung der Kulturen und Religionen. Da wurde “Brother K.” fast zum gesungenen Gebet, ähnlich wie das bluesig-gospelig interpretierte “Reverend G.”. Kräftiger Zwischenapplaus immer wieder auch für Rückert und Schieferdecker, die genug Raum für passable Soli hatten.

Und dann das: Eine der Zuhörerinnen in der dritten Reihe schob ihre Ärmel hoch, zeigte die Arme. Tatsächlich: Die Härchen standen zu Berge! Gänsehaut, so sehr hatte Judy Rafat ihr Publikum gepackt. Und die Frau ganz vorne, die als erste aufstand zum Schlussapplaus vor der Zugabe, war nicht die einzige, der vor Rührung und Begeisterung die Tränen kamen. Da fehlten Buchhändler Karl Gross, zusammen mit Grefraths Gleichstellungs-Beauftragter Annemarie Quick Veranstalter des Konzerts, die Worte: “Ich bin sprachlos!”