17.03.05

Heißer Tango lässt Wangen fiebern

Mit swingender Melancholie erschafft "Poetic Jazz" Bilder und Stimmungen: Bassist Lech Wielebas Band begeistert in der Grefrather Buchhandlung.

Von Joachim Burghardt

Gefangen zwischen Nachtschwärze und Morgendämmerung. Bangen, ob ein erlösender Anruf die quälenden Sehnsüchte stillt. Wangen fiebrig beim heißen Tangoschritt. Voll klangvoller Poesie ist die Musik, unterhaltsamer Kunstgenuss: “Poetic Jazz”, dargeboten vom Bassisten Lech Wieleba und seinem Ensemble beim Gastspiel in der Grefrather Buchhandlung.

Sparsam ist Wielebas Erklärung: “Ich denke, das klärt sich im Laufe des Konzerts.” Er denkt richtig: Die lyrischen, programmatischen Stücke gehen in Kopf und Herz. Melodiös, verhalten swingend in zauberhafter Melancholie, die immer gerade noch den Absprung schafft, bevor sie in Depression verfällt, sich stattdessen auflöst in Heiterkeit.

Musik um drei Uhr morgens: Dieser Titel (“Musique de 3 heures du matin”) ist so ein Beispiel für Wielebas musikalische Lyrik. Da klimpert der Pianist, als wolle er die letzten Gäste in der Bar mit müder Melodie einlullen. Dann dröhnt dumpf der Bass dazu, voll Unruhe, als habe er die Erlebnisse des Tages noch nicht verarbeitet.

Und das nervöse Wechselspiel löst sich harmonisch leicht auf, lässt den nahenden Tag optimistisch ahnen: Grübeln übers Vergangene, Drängen nach Neuem.

Die lyrische Ader des Bassisten, der sein Instrument mal aufrecht zupfend wie einen Partner hält, mal vorgebeugt wie eine Geliebte zärtlich cellohaft streicht, hat das Publikum der Buchhandlung von Karl Gross schon bei der Vertonung von Mascha Kaleko-Gedichten erleben dürfen.

Sein Quartett nun bietet swingend-melodiöse Dichtung ohne Worte: Getragen am Schlagzeug von Pawel Wieleba, Lechs Sohn, mit dem Flügelhorn ins Sphärische gehoben von Jan-Peter Klöpfel und beflügelt von Vladislav Sendecki am Klavier, der virtuos die Tasten traktiert und lieblich leicht jeden Hauch von Schwermut vertreibt.

Selbst nach der dritten begeistert erklatschten Zugabe hätten viele in der intimen Enge des übervollen Raums gern weiter gehört und geträumt am liebsten bis zur Morgendämmerung.