09.07.05

Ein Charmeur, der die Frauen schwärmen lässt

Mit Liedern von Liebe und Frieden beeindruckt David Lamotte in der Grefrather Buchhandlung von Karl Gross.

Von Joachim Burghardt

Grefrath. Ein einziger Augenblick nur und alles war in Frage gestellt: Die Kurve zu schnell genommen, für Sekunden wie tot und das Leben erscheint in neuem Licht. Leise summten und sangen viele mit, als David Lamotte in seinem bekanntesten Song “Dark and deep” (“Dunkel und tief”) darüber nachsann, was wirklich zählt im Leben. Der amerikanische Liedermacher bescherte seinem begeisterten Publikum in der übervollen Grefrather Buchhandlung Karl Gross am Montagabend ein Konzert voll Romantik und Politik, voll Poesie und Witz.Bescheiden gab sich der Künstler: “Ich bin ein Liedermacher”, sagte er schlicht. Und untertrieb maßlos. Ein Gitarrenvirtuose, der mit verschiedenen Techniken und Klangvariationen verblüffte.

Ein Texter, der selbst im technisierten Alltag noch Poetisches entdeckt: “Die Straße nach Frankfurt hat vier Spuren, sieht aus wie Noten . . .”. Ein guter Sänger mit weicher dunkler Stimme. Und ein Scherzkeks: “Das nächste Stück ist auf Deutsch, aber nicht mit Text.” Blues und Bluegrass, Cajun und Celtic Folk ließ Lamotte, zum dritten Mal in Grefrath, anklingen. Hart die Saiten gezupft in bester Fingerpicking-Manier, zart auf die Bünde getupft in perfekter Flageolett-Technik für Gitarrenfreaks ein Hochgenuss…….

…..und ein Charmeuer, dieser David: Wenn er sich vorbeugte, die Spitzen seiner langen Haare den Gitarrensteg streichelten, seine braunen Augen leuchteten und Grübchen seine Wangen zierten, dann himmelten ihn manche der Frauen im Publikum sichtlich an, ihre Münder verträumt lächelnd. “You are my home” (“Du bist mein Zuhause”), schwärmte der Sänger ihnen vor und meinte seine Frau, mit der seit fast einem Jahr glücklich verheiratet ist. Neue und alte Songs trug Lamotte vor, darunter den Kulthit amerikanischer Kinder vom Badewannen-Kapitän “SS Bathtub” und eben “Dark and deep”, auf einer CD zusammen mit Susan Vega und Bruce Springsteen veröffentlicht.

“Mit ein bisschen auf Deutsch” erklärte der Künstler, ein Konzert sei für ihn wie ein Gespräch. Und er sprach viel mit den Zuhörern, ließ sich von seinem deutschen Freund Christian Dörr bei den Übersetzungen helfen. “Es ist spannend zurzeit, als Amerikaner durch Europa zu reisen”, meinte Lamotte. Er verabscheue Gewalt zutiefst und sei den Deutschen dankbar, weil sie den USA bei Kriegsgelüsten Widerstand leisteten.So wurde die Veranstaltung in der Reihe “Kultur am Montag” ausgerechnet am amerikanischen Nationalfeiertag, dem Unabhänigkeitstag am vierten Juli, zu einem Plädoyer für Frieden und Völkerverständigung. Und als letzte Zugabe sang David Lamotte die Hymne “Song for Peace”.