14.10.04

"Brillant da steht man mitten im Klassenzimmer"

Wendelin Haverkamp stellte "Wenn der Educator erzählt" vor.

Grefrath. “Da! Ein lautes, schäbiges Scheppergeräusch: Es hat geklingelt” im Karl-Heinz-Plum-Gymnasium. Eine schier unglaublich verwandlungsfähige Gestalt funktionierte die Grefrather Buchhandlung am Montagabend in ein Lehrerzimmer, in einen “pädagogischen Tower” um: Anton Hinlegen, Educator am Gymnasium. Multitalent Wendelin Haverkamp (Kabarettist, Buchautor, Lyriker, Jazz-Musiker) war in seiner Eigenschaft als Literat gekommen, um ein begeistertes Publikum eine Premiere erleben zu lassen. Er las aus seinem neuen Buch “Wenn der Educator erzählt”. Seine Kultfigur Anton Hinlegen (vor rund 25 Jahren entstanden) und auch die anderen “gewaltigen intellektuellen Kapazitäten des Lehrkörpers” erwachten zu köstlichem neuen Leben.

Über weite Strecken gerieten die skurrilen, heiter bis bissigen und ironisch-satirischen Geschichten zu einer zielgenau dosierten szenischen Lesung. Professionell, mit Herz, aber ohne Übertreiben und Abrutschen in den Klamauk, kurz, stimmig variierte Haverkamp die Tonlagen. Der Grefrather Jürgen Breiderhoff brachte das auf den Punkt: “Rhetorisch brillant da steht man mitten im Klassenzimmer.”
Oder im Lehrerzimmer, in dem schon die Anordnung der Tische immer wieder Gegenstand erbitterter Diskussionen bei Konferenzen ist: “Sollen sie vereinzelt stehen, so individualistisch-anarchisch, wie in den Kosmos hinein geworfener Sternenhaufen? Oder lieber ikeaoid in der Tiefe des Raumes verteilt?”
Für welche Anordnung der Tische man sich auch entscheidet, das Lehrerzimmer bleibt “das Nervenzentrum der Schule, das ja deshalb zurecht so heißt, weil dort alles ganz besonders weh tut …” Kein Wunder, das Anton Hinlegen da schon `mal die Schulbücherei von Monsignore Stramm, dem gewichtigen Religionspädagogen aufsucht, um ins Regal “zwischen Pastoral-Theologie und Kirchengeschichte” zur niemals leeren Cognac-Flasche zu greifen.

Die beiden dürfen sich dort bloß nicht von Fräulein Müller-Siebenknick, der zarten Musikpädagogin, erwischen lassen, der der Kalorien-Gehalt von Alkohol ein Gräuel ist und die lieber “ökologisch hochkorrekte Diätpläne” verordnet. Wie wär`s mittags also mit “klarer Vollkornbrühe und einem Dialog von Frucht-Joghurt auf Möhren-Gurken-Basis”?

“Tschö wa!” Oder lieber: Bis bald! Wenn alles klappt, wird Haverkamp in einiger Zeit zum dritten Mal in der Grefrather Buchhandlung gastieren. Dann zusammen mit Manfred Maurenbrecher als Jazz-Musiker. Karl Gross, der Buchhändler: “Ich bin sicher, das klappt!”