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“Plötzliche Regenfälle können zum Betreten einer Buchhandlung zwingen”

Loriot

Das BUCHREPORT - MAGAZIN hat in seiner Aprilausgabe 2014 über unsere Buchhandlung berichtet.

Wir bedanken uns für dieses Unterfangen und auch für die Genehmigung, hier
den Inhalt des Artikels wiederzugeben.

"Meine Buchhandlung" - "Literatur wird lebendig"

Günther Butkus über die Grefrather Buchhandlung

Pendragon - Verleger Günther Butkus

Im vergangenen Jahr sprach uns Karl Groß von der Grefrather Buchhandlung an. Er wollte gern eine Lesung mit Mechtild Borrmann organisieren, die im Jahr zuvor für „Wer das Schweigen bricht“ mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet worden war. Schnell kamen wir ins Gespräch und Karl
Groߒ Leidenschaft für Bücher und den Literaturbetrieb wurde bei jedem Kontakt greifbarer. Bereits seit über 20 Jahren ist es diesem engagierten Buchhändler
gelungen, sich in einer Nische gegen die großen Filialen und auch gegen den Online-Handel zu behaupten. Und das in einer recht kleinen Gemeinde
mit etwa 15 000 Einwohnern. Seine Begeisterung ist ansteckend. Das merken
auch seine Kunden und vertrauen seinen Buchempfehlungen.
Hier ist Beratung nicht nur eine leere Worthülse, sondern sie wird jeden Tag gelebt. Dabei verlässt sich Karl Groß nicht auf die Verkaufszahlen der Bestsellerlisten, sondern baut auf sein eigenes Urteil. So finden sich in
seiner Buchhandlung auch immer Bücher jenseits des Mainstreams
und auch Titel von kleineren Verlagen. Durch seine vielen Liveveranstaltungen bringt er Leben in die Buchhandlung. Angefangen hat es mit Lesungen, mittlerweile kommen auch Kabarettisten und Musiker. Und die Künstler kommen gern, denn meist sind die Veranstaltungen ausverkauft und die Stimmung richtig gut. Karl Groß hat es geschafft, diese Veranstaltungen
– und damit seine Buchhandlung – über die Grenzen der Gemeinde am Niederrhein hinaus bekannt zu machen. Mit viel Engagement und Herzblut. Das hat mich sehr beeindruckt.

"»Mit einem Kleinwagen nicht auf der linken Spur«

Ohne stationäre Konkurrenz: Die Grefrather Buchhandlung ist die einzige am Ort und erreicht im Einzugsgebiet 15 000 Einwohner.

Im Schaufenster stehen die Musiker. Der Trompeter dreht sich spielenderweise auch schon mal zu den auf der Straße stehen gebliebenen Passanten um. Drinnen sind die Zuhörer ganz dicht dran, nur einen Fußbreit entfernt beginnen schon die Sitzreihen. Der Veranstaltungsraum besticht durch eine sehr gute Akustik. Das liegt nicht an der Dämmung durch die Bücher, die rundherum in den Regalen stehen, sondern durch die schrägen Schaufenster im Ein gangsbereich, durch die die Töne „im Paket“ bei den Zuhörern ankommen, erklärt Karl Groß. „Die Töne werden eingefangen und kommen dann rüber, fast kammermusikalisch. Das ist ein reiner Glücksfall.“
Groß ist Inhaber der Grefrather Buchhandlung und lebt die Idee des Kulturmitt- lers auch über die eigenen Musik- und Li- teraturveranstaltungen hinaus. Vor einem Jahr hat er mit drei Musikern und dem Bürgermeister das Projekt „Schwingboden-Festival“ begonnen, das im vergan genen Jahr erstmals durchgeführt wurde und die Kulturszene in Grefrath bereichert hat. Beim Musikfestival im Schwingbodenpark sind mehrere Bands aufgetreten und haben Jung und Alt mit Livemusik unterhalten. „Die Leute haben das vermisst“, ist sich Groß sicher. Aufgrund der positiven Resonanz ist für Ende August die nächste Auflage bereits geplant.
Die eigenen Veranstaltungen haben sogar Strahlkraft über die niederrheinische 15000-Einwohner-Stadt hinaus entwickelt. Auch aus dem 25 km entfernten Mönchengladbach oder sogar aus Bochum wurden schon Besucher gezählt.
90 Menschen passen in die 100-qm- Buchhandlung, in der dann alle Tische, Stühle und Verkaufstresen aus dem Weg gerollt wurden. Fast alle Veranstaltungen sind ausverkauft, rund 20 Euro kostet der Konzertbesuch, 10 Euro die Lesungen. Hinter den Veranstaltungen steckt kein Erlösmodell, die Einnahmen gehen komplett an die Künstler, deren Bewerbungen sich im Musikbereich bei Karl Groß stapeln. Im Buchbereich arbei tet er klassisch mit Verlagen zusammen, wodurch auch Pendragon-Verleger Günther Butkus auf die Grefrather Buchhandlung aufmerksam wurde (s. oben).

Klein angefangen
Karl Groß hatte nach Anglistik- und Germanistikstudium als Übersetzer gearbei tet, bis ihm eines Tages klar wurde: „Ich möchte eine Buchhandlung eröffnen.“ Der Quereinsteiger las Franz Hinzes „Gründung und Führung einer Buchhandlung“, schaute einem Buchhändler über die Schulter und hat 1993 angefangen: „Relativ amateurhaft mit kleinem Sortiment.“
Das erste Ladenlokal in Grefrath war nicht größer als 30 qm und lag am Orts rand. Die Leute waren zunächst skeptisch und machten das auch deutlich, als Karl Groß seinen ersten Laden umbaute: „Die haben mir klar gesagt ‚Hier liest keiner! Das können Sie vergessen!‘“

Kunden als Testleser

Groß hat sich nicht beirren lassen, mittlerweile ist die Buchhandlung in der Kleinstadt westlich von Krefeld nahe der holländischen Grenze etabliert. Zehn Jahre später wurde ein größeres Ladenlokal in der Stadtmitte frei und auch wenn der ursprünglich Frequenz bringende Nachbar Aldi in der Zwischenzeit an den Stadtrand gezogen ist, kommen die Kunden weiterhin – wegen der Buchhandlung.
Sicher nicht wegen des Ladendesigns. An die Postkartenständer im Eingangsbereich schließt das zusammengesucht wirkende Buchmobiliar an. Es gibt keine Beschriftung,aber auf vier großen Tischen wird großzügig
präsentiert, was Karl Groß und seine Partnerin Regina Ringpfeil, die die Buchhandlung gemeinsam führen, empfehlen.„Unsere Kunden sind unheimlich treu“,sagt der Buchhändler und erzählt die Anekdote von einer Kundin, die aus Krefeld anrief und in einer dortigen Buchhandlung einen Titel gesehen hatte: „Ich schaffe es nicht zu ihnen, darf ich das Buch auch hier kaufen?“
Die Buchhändler kennen ihre Kunden. Beide haben ihre Schwerpunkte und es
gibt einige Kundinnen, die ausschließlich nach Regina Ringpfeil fragen und nur von ihr bedient werden möchten: Kinderbücher,Frauenliteratur und historische Titel. Wenn ein Mann kommt und ein Geburtstagsgeschenk für seine Frau sucht, fragt Groß nach dem Namen und hat gleich ein Buch parat, was noch nicht zu Hause im Bücherregal steht. „Das ist der Vorteil auf dem Dorf.“
Das Wechselspiel zwischen Buchhändler und Kunden funktioniert aber auch in die andere Richtung. Wenn die Novitätenflut wieder überhandnimmt, bindet
das Buchhändlerpaar auch Stammkunden ein und gibt ihnen Bücher mit: „Lesen Sie das Buch, lassen Sie sich nicht von Rezensionen beeinflussen. Sagen Sie mir, ob es ihnen gefällt oder nicht.“ Kommen die Testleser mit
einem positiven Befund zurück, widmet sich auch der Buchhändler noch einmal eingehend dem Titel.

Dinge am Wegesrand entdecken

Über die volle Breite seiner gut 2 m breiten Schaufensterfront ist zwar offensiv die Internetadresse aufgeklebt (www.grefrather-buchhandlung.de), aber dahinter verbirgt sich kein Online-Shop, sondern vor allem Vor- und Nachschau der Veranstaltungen. Auch die Idee von Online-Buchtipps hat Karl Groß beizeiten
aufgegeben. Von einem Online-Shop, wie ihn die Mehrzahl der Standortbuchhändler als White-Label-Shop hat, hält er nichts.Eigene Wege gehen und nicht auf Mainstream setzen,lautet die gegen den Strich gebürstete Philosophie von Karl Groß. Der spätberufene Buchhändler will in der Kleinstadt seine eigenen Bestseller machen: „Wir versuchen, Dinge am Wegesrand zu entdecken, die nicht besprochen werden, die aber bei uns auf fruchtbaren
Boden fallen.“ So wie die Bücher des argentinischen Gestalttherapeuten Jorge Bucay, der schon mehrere Male zu Lesungen zu Gast war und Karl Groß in
seinem jüngsten Buch erwähnt hat. In Grefrath wurden
so viele Bucay-Bücher verkauft, dass es sich auch Verleger Egon Ammann nicht hat nehmen lassen, sich ein Bild von der Buchhandlung zu machen und eines
Tages plötzlich im Laden stand.

BUCHREPORT-INTERVIEW

Im buchreport-Interview spricht Karl Groß über seine Sicht auf die Branche, über Großbuchhandel, Online-Shops und seine Nischenstrategie.

*Warum verzichten Sie als Alleinanbieter in Grefrath auf das Bestsellergeschäft?*

Wenn der neue Simon Beckett rauskommt, habe ich drei
davon auf dem Tisch. Aber bei Dan Brown habe ich mich
von Anfang an geweigert, weil mich diese Art von Bestsellermacherei
stört, dass der Buchhändler vorab kein Leseexemplar
bekommt, dass man das gelieferte Buch
nicht öffnen darf. Das ist doch alles Humbug, eine Unart und Unverschämtheit
dem Buchhändler gegnüber. der soll sein Lager vollpacken mit einem Buch, das er überhaupt nicht beurteilen kann. Nur weil es Dan Brown ist und er Verlag viel Geld bezahlt. Da bin ich bockig und mache nicht mit.Wenn der Kunde das Buch haben will, bestelle ich es ihm. Und wenn der Kunde fragt:” Was halten sie davon?” Dann sage ich: “Gar nichts, Kaufen Sie lieber etwas anderes.”

"Welche Rolle spielt die Beratung?"

Früher gab es in Musikgeschäften noch
Menschen, die jemanden beraten haben.Hinterher hingen nur noch Kopfhörer an den Kabeln, mit denen man sich selbst etwas anhören konnte. Bei den Büchern
droht das Gleiche. Wir haben Kunden, die sagen: „Das können Sie mir nicht verkaufen, das hat bei Amazon so schlechte Bewertungen.“ Da schweige ich und denke, ich bin fehl am Platz.

"Mit einem eigenen Online-Shop könnten die Kunden weiter bei ihnen kaufen"

Von Online-Shops halte ich nichts. Viele haben
sich damit Mühe gegeben, aber ich
glaube nicht, dass jemand bei einem einfachen Buchhändler online ein Buch kauft,wenn er das ganze Sortiment und schon ein Kundenkonto bei Amazon hat. Die Leute bestellen bei mir per E-Mail, einfach so. Das machen wir, das ist o.k. Ich mag keine Internetseite,die an Buchkatalog.de oder einen anderen White-Label-Shop angegliedert ist. Online ist ein Geschäft und der stationäre Buchhandel ist für mich etwas anderes.

"Und warum verkaufen Sie keine E-Reader?"

Es gibt genug Leute, die ihre E-Books unterwegs nutzen, aber die eigentlich auch gern ein Buch in der Hand haben. Es gibt Dinge, die kann man nicht verbessern. Ein Löffel ist ein Löffel und der ist noch nicht verbessert worden. Wenn ich dann noch lese, dass man bei E-Books sogar das Leseverhalten
untersuchen kann und eventuell den Inhalt der Literatur verändert, dann ist
das nicht gerade das Ende der Kultur, aber wir steuern mit der Literatur auf eine Quotensteuerung wie im Fernsehen zu, der die Außenseiterliteratur zum Opfer fällt. Also: Ich habe nichts gegen E-Reader und E-Books, aber ich will sie nicht verkaufen.Wenn ich einen E-Book-Reader verkaufe,ist es für mich so, als wenn ein Frisör jemandem ein Gerät verkauft, mit dem er sich selbst die Haare schneiden kann. Ich mache mich nicht selbst kaputt.

"Sie halten sich auch bei Nonbooks zurück."

Wenn ich gezwungen werde, Kinderspielzeug,Zeitungen oder etwas anderes zu
verkaufen, dann höre ich auf. In diesem Ladenlokal wurden vor Jahren schon einmal Bücher verkauft und mit der Zeit hatte die Inhaberin noch ein Reisebüro integriert und dann eine Lotto-Annahmestelle und irgendwann hatte sie dann keine Kunden mehr. Wenn die Bücher sich nicht mehr tragen, soll man aufhören. Der echte Buchkunde kommt nicht mehr, wenn er am Nebenschalter noch eine Reise nach Mallorca buchen kann. In solch einem Gemischtwarenladen verliert ein Händler jegliche Glaubwürdigkeit und Kompetenz. Da darf man die Leute nicht unterschätzen.

"Wie läuft das Geschäft bei Ihnen?"

Angesichts der unglaublichen Umwälzungen jammere ich nicht. Wir bestellen vorsichtig und arbeiten so mit geringem Risiko. Ich bin mehr denn je davon überzeugt,dass die Nischen größere Überlebenschancen haben als die Großen. Das geschieht ihnen ganz recht, die haben so viele Existenzen kaputt gemacht. Das waren zum großen Teil Pyrrhussiege.

"Wie lautet ihre Strategie ?"

Als Buchhändler muss man sich den Gegebenheiten anpassen. Meine Philosophie ist, dass man nicht mit dem Kleinwagen auf der linken Spur der Autobahn überholen soll. Man sollte mit dem Fahrrad über die Feldwege fahren und den Leuten zeigen, wie schön es dort ist. Wer in der Nische lebt, hat wesentlich mehr Freiheit.

"Warum hat der stationäre Buchhandel eine Zukunft?"

Weil irgendwann Überdruss herrschen wird an Online-Käufen und Paketdiensten.
Die Leute, die zu uns kommen, suchen auch den Austausch. Die Kunden wollen
sehen, dass man die Bücher nicht einfach nur verkauft, sondern sich damit beschäftigt. Das wird vielen Leuten fehlen.

TEXT / INTERVIEW : CHRISTINA REINKE

Überleben in der Nische

Allmählich spürt auch der weltabgewandteste Bücherwurm die heftigen Turbulenzen, die fast den gesamten Einzelhandel erschüttern. Die Großen der Buchbranche (Thalia, Hugendubel etc) , die nach erfolgreichen Eroberungszügen viele Kleinbuchhändler zur Kapitulation gezwungen hatten, müssen nun selbst die Großsegel streichen und Filialen komplett aufgeben.
Der klassische Buchhändler, der in seinem ärmellosen Pullover literarische Kostbarkeiten anbieten möchte, wird bald nur noch als Karikatur (in der Literatur) weiterleben. Vor vielen Jahren gab es sogar noch Musikgeschäfte , in denen kompetente Mitarbeiter beim Kauf von Platten, Cassetten oder CDs
beratend tätig waren.
Das Internet mit seinen großartigen Nutzungsmöglichkeiten hat viel mehr ( auch in unseren Köpfen) verändert als viele von uns ahnen konnten.
Ich kann diesen Artikel ohne großen Aufwand für meine Leser (Kunden) in die
Tasten kloppen – dank Internet. Und im Gästebuch (oder per mail)können Sie mir umgehend mitteilen, dass Sie die Dinge ganz anders sehen…

Die Grefrather Buchhandlung hat nunmehr 20 Jahre lang relativ geschützt vor den großen Veränderungen – in einer Nische – überlebt. Wir werden auch die nächsten Jahre mit (verhaltenem) Optimismus in Angriff nehmen in der Hoffnung,
dass unsere Kunden nicht restlos im Mainstream – Taumel versinken.

Wir veranstalten weiterhin LIVE – Konzerte , die durch keinen Musik – Download zu ersetzen sind, und wir verkaufen Bücher, die man vor dem Kauf tatsächlich anfassen und mit kritischen Augen begutachten kann.Im Netz gibts seit Monaten heftige Diskussionen über Gegenwart und Zukunft der Buchhandlungen.
Hier der Artikel einer engagierten Bloggerin, die unsere Nischenbuchhandlung
würdigt in LITERATUREN

Grenzland Nachrichten am 21.01.2010

Karl Groß: Aus dem "Bürgerschreck" ist ein angesehener Buchhändler und Kulturveranstalter geworden - Foto: Joachim Burghardt

Kultur, Kommune und Kartoffeln

Grefrath: Buchhändler und Veranstalter Karl Groß - Schachspieler und Kartoffelfan

Grefrath (jb). Lange Haare Mitglied, der ersten Kommune am Niederrhein, bei jeder Demo dabei, ein Bürgerschreck: Karl Groß, Und heute, knapp 40 Jahre später? Kurze Haare, in fester Beziehung, ein etablierter Bürger in Grefrath. Den Buchhändler kennt fast jeder in der Region, vor allem, weil er das Kulturleben in der Niersgemeinde bereichert, Lesungen, Konzerte und Kabarett veranstaltet. Aber Karl Gruß ist auch ein erfolgreicher Schachspieler — und schwärmt von alten Zeiten.
„Ach, die wilden Zeiten, die sind lange her“, lacht Karl Groß und blättert in alten Fotoalben und Zeitungsausschnitten. Ein bisschen was aber ist geblieben: In seinem Privatzimmer über der Buchhandlung stehen noch alte Apfelsinenkisten als Bücherregale und andere Erinnerungsstücke aus der „sehr fruchtbaren Zeit“ Anfang der 1970-er Jahre.
Wie aber wird einer, der aus Uedem stammt und in Kleve in einer Kommune lebte, angesehener Buchhändler in Grefrath und in Künstlerkreisen ein gefragter Veranstalter?
“Ich wollte eigentlich Berufsschachspieler werden“ erzählt der 58-jährige. In Düsseldorf studierte er Germanistik und Anglistik, jobbte nebenbei – und fuhr mit seiner roten Ente zu Schachturnieren.
Irgendwie kam es anders, Groß wurde Übersetzer, heiratete, zog nach Ziegelheide. Nach dem Scheitem der Ehe kam die Phase der Neuorientierung — und ein anderer alter Traum wurde Wirklichkeit: „Als Buchhändler lebendige Kultur bieten, nicht als einer von vielen in der Stadt, sondern auf dem Land.“
So kam Karl Gruß 1993 nach Grefrath, zog mit seinem Laden 1998 in die Hohe Straße 25 (www.grefrather-buchhandlung.de). Hier arbeitet und wohnt er mit seiner Partnerin Regina Ringpfeil – bis auf eine Woche im Jahr: „Dann fahr ich zum Schachturnier nach Goch, mein einziger Urlaub.“ Die Leidenschaft für Schach ist also geblieben, er war Nettetaler Schachmeister, sei heute „nicht mehr ganz so gut“, ist aber im Internet als Blogger unter dem Namen „Der Schachneurotiker“ aktiv (http://schachneurotiker.blogg.de).
Seine Grefrather Buchhandlung indes ist eine Institution – durch die „Kultur am Montag“: Alle sechs Wochen treten Künstler wie Markus Türk, Wendelin Haverkamp, Ulla van Dahlen oder Judy Rafat im Verkaufsraum auf, platzieren sich halb im Schaufenster. Über 70 Besucher drängen sich dann bis in die hinterste Ecke. Enge, Intimität und ein leidenschaftlicher Karl Groß sorgen für Begeisterung beim Publikum und bei den Künstlern. Mittlerweile schmückt sich auch die Gemeinde Grefrath in ihrem Internet-Auftritt mit dem Hinweis auf die „Kultur am Montag“ von Karl Groß.
Dieser Karl Groß steht eigentlich nicht gern im Mittelpunkt. Sagt, dass er eher zurückhaltend sei und ungeduldig, über kindliches Verhalten bei Erwachsenen herzhaft lachen könne, immer gerührt sei bei Versöhnungsszenen in Filmen.

Und er gesteht seine heimlich Liebe – Kartoffeln: ,,Es geht nichts über Bratkartoffeln!” Dann blättert er wieder in alten Alben, schaut auf und meint: „Das wäre auch was fürs Alter mit mehreren in einer Wohngemeinschaft, sich gegenseitig helfen – wie in der Kommune damals.“

RP am 06.05.08

Mittlerweile gibt es bei Kultur am Montag – eine Idee von Karl Groß – deutlich mehr Musik als Literatur-Veranstaltungen RP-Foto: Wolfgang Kaiser

Er macht Kultur am Montag

„Kultur am Montag“ heißt die Reihe in Grefrath, mit der ein Name eng verbunden ist: Karl Groß, Buchhändler in der Gemeinde. Mit Lesungen in seinem Buchladen fing alles an, mittlerweile kommen Musiker und Kabarettisten.

VON CHRISTIAN HEIDRICH

GREFRATH Da muss Karl Groß nicht lange überlegen. Ja, ihm würde etwas fehlen, wenn es die „Kultur am Montag“ nicht gäbe. Ein Traum, den sich der 56-jährige aus Uedem gebürtige Niederrheiner in Grefrath erfüllt hat. Als der studierte Germanist und Anglist als Seiteneinsteiger
im Jahr 1993 in Grefrath einen kleinen Buchladen eröffnete, wollte er mehr machen als nur Bücher zu verkaufen. „Ich habe davon geträumt, vernünftige Lesungen machen zu können“, sagt er. Pläne, die er erst umsetzen konnte, als er vor zehn Jahren in ein größeres Ladenlokal
umzog. Entstanden ist dort die Reihe „Kultur am Montag“, zu der Groß rund alle sechs Wochen einen Künstler oder Schriftsteller in seinen Buchladen gegenüber der Kirche einlädt. Mittlerweile sind es mehr Musik- als Literaturveranstaltungen,

„Buchläden erschienen mir oft wie völlig humorfreie Zonen“

die Groß organisiert. Bis zu 70 Personen versammeln sich dann in seinem Geschäft. Jüngst musste Groß in das Cyriacushaus hinter der Kirche ausweichen, weil mehr als 200 Zuhörer den argentinischen Therapeut und Schriftsteller Jorge Bucay hören wollten.

„Buchläden erschienen mir oft wie völlig humorfreie Zonen. Das wollte ich anders machen“, sagt
Groß. Lebendige Kultur wollte er in sein Geschäft bringen, das er sich ganz bewusst auf dem Land suchte: „Ich wollte nicht der zwölfte Buchhändler in der Großstadt sein.“ Der erste Künstler, der auftrat, war der Grefrather Mundartdichter Herbert Ackermann. Bald folgten Kabarettisten
wie Wendelin Haverkamp.

Tipps fürs musikalische Programm bekommt der Buchhändler vom Grefrather Trompeter Markus
Türk. Da wollte sich Groß nicht auf sein eigenes musikalisches Verständnis verlassen: „Ich bin aus einer Familie, die musikalisch überhaupt nichts drauf hatte, außer Radio Luxemburg.“ Türk habe schon legendäre Auftritte in der Bücherei abgeliefert, sagt Groß und zeigt auf das große Schaufenster links vom Eingang. Bei allen Auftritten bei Kultur am Montag ist das Schaufenster
die Bühne. Damit es schnell frei geräumt werden kann, stehen dort sämtliche Auslagen auf rollbaren Tischen und Ständern.

Wenn montags eine Kulturveranstaltung auf dem Programm steht, werden Karl Groß und seine Partnerin Regina Ringpfeil zu Bühnenbildnern und Theaterbauern. Regale, Tische, Kassentheken, die irgendwie stören könnten, räumen sie beiseite. Ist’s eine musikalische
Veranstaltung, kommt der Klavierstimmer und bringt das Klavier, das in einem hinteren Raum des Geschäftes steht, in die richtige Stimmung. Dann bauen sie noch die Klappstühle auf, und innerhalb von Stunden wird aus einem Geschäft eine Kleinkunstbühne. „Das auf die Beine zu stellen ist das Schönste“, sagt Groß, und seine Augen strahlen hinter der goldfarbenen Brille.

RP am 06.05.08

Etwas für den Ort Grefrath tun

GREFRATH (chh) Für den Wahl-Grefrather Karl Groß, der über seinem Buchladen wohnt, ist die von ihm begründete Reihe „Kultur am Montag“ keine reine Werbung in eigener Sache. „Wenn es Marketing alleine wäre, würde ich es nicht machen. Für mich und meine Partnerin ist es eine Passion.“

Eine Passion, die mittlerweile immer mehr Menschen teilen. Das Interesse an Kultur am Montag nehme zu, sagt Groß. Über die Internetseite informiere sich eine wachsende Fan-Gemeinde über Kulturveranstaltungen im Buchladen gegenüber der Kirche, zu der überwiegend Grefrather kommen, aber auch ein großer Teil aus den umliegenden Städten und Gemeienden. „Damit tun wir auch etwas für den Ort“, meint der passionierte Schachspieler. „Kultur ist immer ein großer Werbeträger.“

Dass Kultur am Montag eine gute Adresse ist, hat sich auch bei Künstlern herumgesprochen. Am Anfang musste sich Groß um Auftritte von Künstlern bewerben. Mittlerweile ist seine Buchhandlung auf den Tourplänen vieler Künstler eine feste Station, was Kulturliebhaber Groß ein wenig stolz macht. Groß ist davon überzeugt, dass Kleinkunst nicht den Großstädten vorbehalten sein muss.

Er könnte sich in Grefrath zum Beispiel ein Straßenmusik-Festival vorstellen, bei dem jeweils ein Geschäftsmann eine Patenschaft für einen Musiker oder eine Gruppe übernimmt. Und die Bürger wären die Jury.

Bei Karl Groß fing alles ganz klein an

Grefraths Buchhändler glänzt mit "Kultur am Montag"

Grefrath. Wenn die Buchhandlung Groß an der Hohe Straße 25 am Montagnachmittag ihre Türe schließt und man durch die Schaufenster Karl Groß und sein Team trotzdem drinnen arbeiten sieht, dann kann das nur eins bedeuten: „Kultur am Montag“ ist wieder angesagt und das Ladenlokal wird zum gemütlichen Raum mit 70 Sitzplätzen. Was vor einigen Jahren im kleinen Kreis anfing ist heute in Grefrath eine feste Kulturinstitution und über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt und beliebt. Etwa alle sechs Wochen verwandelt sich die Buchhandlung in einen Konzertsaal, ein Kabarett oder in einen Lesesaal. Jazztrompeter Markus Türk, Kopf der „Kempen Big Band“ und Mitglied der Krefelder Kultband „Jansen“, etwa ist hier mittlerweile genauso zu Hause wie Kabarettist Wendelin Haverkamp.