13.04.05

Cioma Schönhaus (83) las in der Grefrather Buchhandlung aus seiner Autobiographie "Der Passfälscher".

Husarenstücke eines jüdischen Passfälschers

Seine Familie wurde von Nazis ermordet, er selber lebte im Untergrund: Aus seiner Autobiographie las Cioma Schönhaus in Grefrath eine unglaubliche Geschichte.

Von Susanne Böhling

Grefrath. Cioma Schönhaus zu Gast in der Grefrather Buchhandlung das ist etwas ganz Besonderes. Denn der inzwischen 83-jährige Jude liest normalerweise nur noch in der Schweiz. Dorthin konnte er im Krieg fliehen, dort schlug er neue Wurzeln. Und da entstand auch “Der Passfälscher”, seine Autobiographie, in der er sein illegales Leben in Berlin in den Jahren 1942/43 beschreibt. Seine Familie war zu diesem Zeitpunkt bereits Opfer der Nazis geworden.

“Als Romanvorlage hätte das kein Verlag angenommen. Zu unrealistisch,” ist Buchhändler Karl Gross überzeugt. Aber der Fischer-Verlag in Frankfurt am Main habe recherchiert und die Geschichte für wahr befunden. Mit großer Gelassenheit und sehr lebendig gibt Schönhaus seine unglaublichen, aber wahren Husarenstücke zum Besten, mit denen er seine Häscher narrte.

Danach darf das Publikum Fragen stellen: Hatte er gar keine Angst? “Es war der Adrenalin-Kick, den habe ich förmlich gesucht und der hat mir geholfen,” bekennt er. Aber er kenne auch die Trauer um die vielen gemordeten Glaubensbrüder und das schlechte Gewissen über das eigene Glück. Für sein eigenes Überleben zu sorgen empfand er als Verpflichtung seinen Eltern gegenüber.

Und er zeigt unglaubliche Größe wenn er sagt, dass für ihn die Menschen, die in dieser Zeit Juden das Überleben ermöglicht haben und dabei ihr eigenes Leben riskierten alles überstrahlen, was andere Deutsche seinem Volk angetan hätten. Er sagt das ohne Bitterkeit.

Was fühlt er, wenn er sieht, dass es die “braune Brut” immer noch gibt? Auch hier bleibt er gelassen: Solche minderwertigen Menschen hätte es zu allen Zeiten und überall gegeben. Man dürfe sich nicht irritieren lassen. Klug sinniert er über die besonderen Werte, die das Judentum in der Antike vor den anderen Religionen ausgezeichnet hätten: Die zehn Gebote die Jesus Christus nach seinem Verständnis “globalisieren” wollte.

Der Besuch von Cioma Schönhaus erweist sich als besonders Geschenk, noch lange muss er Bücher signieren. Kein Wunder, dass ihn der WDR begleitet und morgen um 22.30 Uhr eine Reportage im Fernsehen über ihn senden wird.