28.11.2011 Lesung mit Johannes Girmes

"Und danach die Asche ins Meer"

Beim Signieren: Ein aufmerksamer Zuhörer : Johannes Girmes

Eine Lesung der besonderen Art erlebten etwa 60 Gäste am 28.11.11. Johannes Girmes, der als Sproß der Girmes-Dynastie vor 30 Jahren in die USA auswanderte und nun seine “alte” Heimat mit einer Romanbiographie konfrontierte. Sein Werk “Und danach die Asche ins Meer” ist eine schonungslose Abrechnung mit den politischen und privaten Folgen der Nazizeit in Deutschland, speziell seiner Erlebnisse in Grefrath-Oedt. Doch die “neue” Heimat USA geriet speziell in der Bush-Ära ebenfalls in MIßkredit, so daß die Flucht aus Deutschland letztlich in eine Heimatlosigkeit mündete. Eindrucksvoll schildert der Autor diese Befindlichkeit, die ihn an Stefan Zweigs letzte Tagebucheinträge erinnert, bevor dieser den Freitod wählte. (“So gehöre ich nirgends mehr hin, überall Fremder und bestenfalls Gast.”)

Die literarische Kraft, die das Buch besitzt, kam durch die besonnene und ruhige Art des Vortrags spürbar zum Tragen.Ein Beispiel:“Und Axels Grabstein? Wo wird der mal sein?”, fragte sie.“In Amerika oder in Deutschland?”- “Kein Grabstein! Eine Urne mit Asche, und diese Asche wird dann irgendwann, irgendwo ins Meer gestreut, in das weite , schöne Wasser zwischen den beiden Kontinenten.” Sie schauten sich eine kurze Weile an. Sie nahm eine kleine Zuckertüte, streute den Inhalt in ihre Tasse , nahm ein wenig Milch dazu, senkte den Kopf über ihren Kaffee, rührte sanft und leise und schwieg eine lange Weile,

Wie gar mancher Melancholiker schätzt auch er den Humor!

Solche Textstellen veranschaulichen den Werdegang eines ehemaligen Kaufmanns (“Ich habe damals 7 Tage in der Woche gearbeitet.”) zum Schriftsteller, der gerade an seinem zweiten Buch arbeitet. Wir dürfen gespannt sein. Die Zuhörer waren begeistert – aus gutem Grund!