RP am 27.10.2010

Joscho Stephan gibt in Grefrath drei Zugaben

Gemeinde Grefrath (RP) Allein in diesem Jahr war Joscho Stephan in Polen, Ungarn, England, Schweden und Italien auf Tournee. Im Laufe der Jahre trat er in mehreren Kontinenten auf.

Aber noch immer gibt es, wie er augenzwinkernd seinem Publikum gestand, weiße Flecken auf der Landkarte seiner Konzerte. Dass Grefrath jetzt nicht mehr dazu gehört, ist das Verdienst von Karl Groß.

Dem Buchhändler war es gelungen, den weltberühmten Gipsy-Swing-Gitarristen in seine Räume zu holen. Erwartungsgemäß war das Konzert schnell ausverkauft. Wer schnell genug war, um eine Eintrittskarte zu bekommen, verstand schnell, worauf die Beliebtheit des aus Mönchengladbach stammenden Joscho Stephan beruht.

Als klassischer Gitarrist ausgebildet, fand Stephan früh Interesse am 1930er-Jahre-Jazz des Django Reinhardt auf dem Pariser Montparnasse. Er spielte Reinhardt-Titel nach, brachte zunehmend eigene Elemente in die Improvisationen, komponierte selbst und suchte geeignete Mitspieler für Trio- und Quartett-Besetzung.

In die Grefrather Buchhandlung kam er mit seinem hervorragend eingespielten Trio. Am Kontrabass glänzte Max Schaaf, der nicht zuletzt in mehreren Soli sein Können unter Beweis stellte. Günter Stephan, Joschos Vater, erwies sich als sicherer Rhythmusgitarrist, der für die harmonische Unterfütterung ebenso verantwortlich war wie für die Konstanz des Tempos.

Alte Django-Reinhardt-Titel erklangen in neuem Gewand, beispielsweise “Django’s Tiger” oder der “Minor Blues”. Reizvoll waren ohne Zweifel Joscho Stephans Kompositionen wie “San Vincenzo”. Dazu kamen Themen von Komponisten, die man nicht unbedingt erwartet hatte wie Kurt Weill (September-Song”) oder Charles Chaplin (“Smile”). Erinnert wurde auch den weitgehend vergessenen Meister des Finger-Picking, Chet Atkins.

Die Virtuosität des Joscho Stephan ist atemberaubend. Technische Schwierigkeiten kennt er offenbar nur aus Erzählungen oder Beobachtung anderer, nicht aus eigener Erfahrung. Aber es ist nicht nur die Beherrschung seines Instruments, die fasziniert. Er versteht sich auch aufs Lyrische und Verträumte. Beeindruckend, mit welcher Poesie er Django-Reinhardts “Nuages” einleitete und ausklingen ließ.

Als Stephan das letzte Stück des Abends ankündigte, war das Bedauern des begeisterten Publikums so unüberhörbar, dass drei Zugaben wie zwangsläufig angehängt wurden. Darunter war auch “Rondo alla turca”, Mozarts “Türkischer Marsch”, in einer veränderten, zweifellos aber sehr originellen Fassung zu hören.