WZ am 10.03.2010

Kein Bier für Mozart?

Eva Baronsky und Andreas Hertel bieten in der Grefrather Buchhandlung eine unterhaltsame Kulturshow zum Roman „Herr Mozart wacht auf“.

von Joachim Burghardt

Grefrath. Armer Kerl! „Er hatte kein Zuhause mehr“, dieser Mozart, der eigentlich schon über 200 Jahre tot war. Schuld war Eva Baronsky, die den Kult-Komponisten ins moderne Wien versetzte– für ihren Roman „Herr Mozart wacht auf“. Und daraus las die Autorin am Montagabend vor 100 Zuhörern in der proppenvollen Grefrather Buchhandlung, begleitet vom Pianisten Andreas Hertel – ein außergewöhnlicher Abend.

„Bei dem Gedanken an einen Krug Bier wurde er beinahe schwermütig.“
Eva Baronsky, Autorin, über Mozart im heutigen Wien

Autorenlesung war am Dienstag, Kulturshow ist angesagt: Schwarze Vorhänge, Kerzenleuchter, eine charmante Frau im dunklen Kostüm mit weicher, warmer Stimme, ein fescher Pianist mit unbändiger Spielfreude und dazu diese aufregende Geschichte – ein Erlebnis. Ist schon der Roman allemal lesenswert, so weiß jeder, der Eva Baronsky erlebte: Er ist auf diese Art auch hörenswert und sehenswert!

Baronskys Roman schildert witzig, hintergründig, lehrreich, wie Mozart im Wien 2006 wieder lebendig wurde, um sein Requiem zu vollenden. „Wenn Sie bedenken, mit wie viel Schwierigkeiten sich ein 80-Jähriger in der Großstadt zurecht findet, können Sie sich vorstellen, wie sich ein 250-Jähriger fühlt“, erklärte die Autorin ihren Zuhörern schmunzelnd. In der Tat: Der alte Mozart im neuen Wien ist aufgeschmissen, irritiert von moderner Musik im Jazzklub Blue Note, „die keinen Beifall wert gewesen wäre“.

Mozart im neuen Wien – ein Abenteuer voll Gefühl. Der Musiker begehrte die Schöne im JazzKlub, die ihn brüsk abwies: „Lass stecken, Kleiner!“ Er litt unter Hunger und Durst: „Bei dem Gedanken an einen Krug Bier wurde er beinahe schwermütig.“ Wie Eva Baronsky las, erzählte, so anschaulich, lebendig, da wurde die fantastische Geschichte beinahe Wirklichkeit.

Saß da nicht dieser Herr Mozart am Klavier? Nein, es war dieser Herr Hertel, der Mozart-Melodien anspielte, verjazzte, als „Jingle Bells“ verulkte und im Blues wehmütig ausklingen ließ. Ein geniales Wechselspiel von Musik und Wort, für das es zu Recht kräftigen Beifall gab.