RP am 20.01.2010

Der Schauspieler und Kabarettist Bertolt Kastner gab in der Reihe "Kultur am Montag" mit seinem König Ludwig II.-Abend in der Grefrather Buchhandlung Einblicke in die Seelenkämpfe des Bayernkönigs. Foto: Karl Gross

Ein königliches Vergnügen

VON JÜRGEN KARSTEN

Gemeinde Grefrath (RP) Kabarettist und Schauspieler Bertolt Kastner fesselte eine kleine Fangemeinde in der Grefrather Buchhandlung. Erließ die Zuhörer an Gedanken und Gefühlen des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. teilhaben.

Unheilvolle musikalische Klänge, dann kommt er – gemessenen Schrittes, die Arme auf dem Rücken verschränkt: Königlich, ganz der “Kini”, wie ihn die Bayern bis heute liebevoll nennen. Ludwig II., der Märchenkönig, der Erbauer der Schlösser Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Linderhof. Der Kabarettist und Schauspieler Bertolt Kastner nimmt seine Zuhörerschar mit seiner szenische Lesung gefangen, in der er die Gedanken- und Gefühlswelt des einsamen, die Kultur verehrenden Monarchen ausbreitet. Kastner lässt die Zuhörer teilhaben an den königlichen Emotionen, den euphorischen wie den enttäuschten.

Karl Gross, Inhaber der Grefrather Buchhandlung, der mit seiner Reihe “Kultur am Montag” immer wieder ganz bewusst ein Minderheitenprogramm anbietet, begrüßt die Treuesten der Treuen, kredenzt kleine Köstlichkeiten und schenkt Wein aus. Es ist eine verschworene Gemeinschaft, die sich im Buchladen zusammen findet und sich gerne einmal von Überraschendem und Unerwartetem unterhalten lässt. Und genau dies ist die Sache von Bertolt Kastner, der nichts übrig hat für die üblichen Klischees und hier im “Spartenkanal” in der Provinz bereits früher einmal mit einem Bukowski-Abend reüssierte.

Ludwig II. (1845 bis 1886) wurde bereits mit 18 Jahren König und lebte so ganz anders, als dies von den Mächtigen jener Tage erwartet wurde: Er war ein Liebhaber der schönen Künste, verehrte die “reine Musik” Richard Wagners über die Maßen und verschaffte sich Unsterblichkeit durch seine märchenhaften Schlossbauten, die noch heute Touristen aus aller Welt anziehen.

Ein einsamer Mensch

Aber er war ein einsamer Mensch. Seine Verlobung mit Prinzessin Sophie von Bayern, einer Schwester der österreichischen Kaiserin Elisabeth (“Sissi”), wurde bereits nach einigen Monaten wieder gelöst. Fortan lebte er allein. Später hielt man ihn für geisteskrank und entmündigte ihn. Seine letzte Lebenszeit verbrachte er am Starnberger See. Dort ertrank er unter bis heute ungeklärten Umständen. Selbstmord oder Mord – das bleibt unklar.

Bertolt Kastner schafft es, den Mythos des Monarchen den mucksmäuschenstillen Zuhörern in der abgedunkelten Buchhandlung mit sparsamen Gesten und einer eindrucksvoll ausdrucksvollen Sprache und klugen Sätzen näher zu bringen. So wurde es ein kurzweiliger, leider allzu kurzer Abend, denn bereits nach 40 Minuten war das Märchen vom einsamen König erzählt. Königlich kurz sozusagen, wo man sich majestätisch mehr durchaus gewünscht hätte…