RP am 13.01.2010

Mit Winnie in Kattendonk

VON NATASCHA BECKER

Gemeinde Grefrath (RP) Kindheitserinnerungen an den Niederrhein waren jetzt in der Grefrather Buchhandlung zu hören. Die gebürtige Grefratherin Beate Felten-Leidel stellte ihren Roman “Mit Winnie in Kattendonk” vor.

“Kattendonk ist ein westlicher Vorort von Grefrath, und mein Buch handelt von zwei zehn- und elfjährigen Mädchen, Marlies und Winnie, die Freundinnen sind”, erzählt Beate Felten-Leidel, während sie zu ihrem Buch greift, auf dessen Umschlagseite die beiden besagten Mädchen auf einem Steg an einem See sitzen. Und dann ist das Publikum auch schon mittendrin in der Welt der eher etwas ängstlichen Marlies und der mutigen, draufgängerischen Winnie.

Eine Kindheit in den 60er Jahren wird lebendig. Da ist der Erzfeind Axel, der alles Mögliche an Spielzeug hat und damit angibt. Der alte, nicht mehr genutzte Friedhof, der als geheimer Zufluchtort dient, oder das Karnevalsfest, bei dem Marlies ungewollt ins Till Eulenspiegel-Kostüm gezwungen wird und Winnie nur eine Indianerin ist, wo sie doch so gerne Häuptling sein möchte. Herzliche Lacher bei den lauten Miaugeräuschen der Autorin – “Das kann man nicht schreiben, das muss man hören”, so ihr Kommentar dazu – und nicht minder großes Schmunzeln bei Marlies Verzweiflung über ihr Karnevalskostüm mit den vielen “Jllöckchen”.

Erstaunlich dann, wie viele der Besucher in der wirklich bis auf den letzten Platz besetzten Buchhandlung das alte Karnevalslied kannten, das früher in Grefrath gesungen wurde. Bei “Wän et Fasteloavend es, daa jaarewe di Vuu!” stimmten viele Besucher mit ins Lied ein.

Die Idee zu dem Buch trug die gebürtige Grefratherin, die heute in Köln lebt, schon lange mit sich herum. “Ich hatte meiner Kinderfreundin Kornelia versprochen, einmal etwas über sie zu schreiben”, erinnert sich Felten-Leidel. Sie fing an und musste dann feststellen, dass sie den Grefrather Dialekt nicht mehr beherrschte. Also wanderte das Projekt wieder in den Schrank.

“Mein persönlicher Initiator, das Buch doch zu schreiben, waren dann Herbert Ackermann und sein Grefrather Mundartwörterbuch”, verrät die 54-jährige Autorin, die freiberufliche Buchübersetzerin ist. Beim Stöbern in dessen Werk habe sie wieder die Stimmen im Grefrather Platt gehört und mit dem Schreiben begonnen. Das Buch sei dabei eine Schnittmenge aus Erinnerungen und Phantasie geworden, fügt sie an.

Neben den Erzählungen sind es die Illustrationen von Caroline Maroth Riedel, die das Buch zu etwas Besonderem machen. Über 20 ganzseitige Bilder lassen die Texte leben. Mal humorvoll, dann wieder nachdenklich, im nächsten Moment wirklich bissig und einige Zeilen weiter liebevoll – mit dem Buch “Mit Winnie in Kattendonk” ist Felten-Leidel etwas Besonderes gelungen. Die Besucher waren begeistert, das Buch zum Preis von 14,80 Euro fand reißenden Absatz, denn alle wollten wissen, was Marlies und Winnie noch so alles in ihrer Kindheit erlebt haben.