RP vom 07.10.2009

Alte Bekannte mit neuer CD

In der Grefrather Buchhandlung, die sich dank der Kulturarbeit ihres Besitzers Karl Gross mehr und mehr zu einer Art Jazz-Leuchtturm entwickelt, waren am Montagabend erneut "Poetic Jazz" zu Gast.

von Michael Pluschke

GREFRATH Die Formation des Bassisten Lech Wieleba mit dem neu zum Quartett gestoßenen Enno Dugnus(Piano), Peter Klöpfel am Flügelhorn und Pavel Wieleba (Drums), Sohn des Bandleaders Lech, stellten Teile ihrer neuen CD “Mazur” vor — und der Abend in der gesteckt vollen Buchhandlung hatte wieder seinen ganz besonderen Charme.Was am Ambiente und den gereichten Getränken liegt, an der guten Akustik und – natürlich – an der

Selten ist ein Quartett vom nie aufdringlichen Bass geprägt

gebotenen Musik: Das Quartett lebt von der beeindruckenden Musikalität des altvorderen Wieleba, dessen technische Beschlagenheit am fünfsaitigen Kontrabass nie zum eitel demonstrierten, abhebenden Selbstzweck wird. Er gibt (was das Eingangsstück „Birth of a cloud“ schnell deutlich macht) dem Ganzen Halt, Struktur, Rhythmus — und vor allem Seele. Wo, bitte, steht denn geschrieben, dass anspruchsvolle Jazzer einen Bogen um verträumte, eingängig melancholische Melodien machen müssen?

Selten ist ein Quartett derart vom stets präsenten, nie aber aufdringlichen Bass geprägt: Unprätentiös führt Lech Wieleba die Truppe, Enno Dugnus liefert das harmonische Fundament mit einer rechtenHand, die in schnellen und guten Momenten zart an das synkopische Spiel des seligen Kenny Kirklands erinnert. Peter Klöpfel entlockt dem Flügelhorn wirklich Außergewöhnliches, auch wenn es letztlich immer, selbst bei einer Samba, die Lech Wieleba als, Liebeserklärung an seinen Hund” ankündigt, eben immer nach Flügelhorn klingt.

Wieleba Junior liefert am Drumset eine einfühlsame, technisch ordentliche Partie — man möchte ihm freilich ab und an ein wenig mehr Inspiration wünschen.

Papa Lech liefert vom Bass her (schon allein durch seine exquisite Flageolett-Technik) Vorlagen für weit mehr rhythmisches Wechselspiel.

Letztlich aber egal: Wunderschöne Musik, ein Abend mit feinen, dezenten Soli und durchaus ironischen Zwischentönen. Dass beides vom leicht hüftsteif wirkenden Publikum nicht durchgehend bemerkt wird, lässt sich ja vielleicht perspektivisch noch ändern:

Leuchtturmchef Karl Gross hat in Sachen Jazz garantiert noch einiges vor.