08.03.06

Jazzgenuss zwischen Büchern und Rotwein

VON TOBIAS NEUMANN

GREFRATH Seit acht Jahren schon gibt es in loser Folge die „Kultur am Montag“ in der Grefrather Buch­handlung. Nun ging das breite schöngeistige Spektrum in die nächste Runde. Finanziell von den Grünen unterstützt und mitorgani­siert von der Gleichstellungsbeauf­tragten Annemarie Quick holte Buchhändler Karl Gross zum zwei­ten Mal die kanadische Jazzsänge­rin Judy Rafat nach Grefrath. Zum Weltfrauentag und zu zehn Jahren Gleichstellungsstelle machte Gross nicht nur den Frauen damit eine Freude.

70 Gäste saßen dicht an dicht in familiärer Atmosphäre, um die ehe­malige Schülerin und Protegé des großen Dizzy Gillepsie zu hören. „Auf vielfachen Wunsch“ kehrte das Judy Rafat Trio also zurück.
Nach galantem Swing-Einstieg wurde schnell klar: hier singt eine hochkarätige Jazzerin, die auf drei Oktaven Stimmumfang aus einem scheinbar endlosen Repertoire schöpft, ob warmherzig, strahlend oder zerbrechlich. „Musik. bleibt — Liebe geht“ stimmte sie „Foggy Day“ lieblich an, wogegen sie Miles Davis mit frecher Vokaleinlage im Bebop würdigte. Zwischen Bü­chern und Rotwein entwickelte sich die große Sprache der Musik.
„Alright. Yeah“‘ Ein exzellenter Henning Gailing am Bass sprach re­gelrecht mit seinem Instrument, summte ganze Passagen mit. Auch sein Kollege Thomas Rückert am Piano stand ihm in nichts nach. Nicht nur in den Soli zeigte er träu­merische Tonläufe mit flüssigen Übergängen, ausgezeichneten Wechseln und schnellen Triolen. Die spannende Kommunikation ging untereinander weiter: wenn JudyRafat gerade nicht sang, entwi­ckelte sich zwischen Bass und Pia­no ein echter Dialog, fein zerlegte Akkorde versponnen sich filigran zu klaren Figuren. Alle anfängli­chen Teile fügten sich zusammen, Rafat hob erneut an und schenkte dem Publikum faszinierende Fas­sungslosigkeit über saubere Mikro­fonarbeit und bluesiger Erotik.
Leider hieß es dann kurz vor elf Uhr: „Thats all“. Der Abend in ei­nem Wort: hochwertig.