RP am 21.01.2009

Skurriles aus dem Schulalltag

VON JÜRGEN KARSTEN

Gemeinde Grefrath (RP) Witzige, satirische und skurrile Geschichten rund um den Alltag in der Schule las Wendelin Haverkamp in der Reihe “Kultur am Montag” in der wieder restlos ausgebuchten Grefrather Buchhandlung von Karl Gross. Der Mann weiß, wovon er spricht: Der “gelernte Lehrer” kennt sich aus in dem Milieu, das er seit den 80er Jahren in seinen “Anton Hinlegen”- Geschichten erzählt. Am Montagabend gab es eine Lesung aus dem Epoche machenden Werk “Wenn der Edukator erzählt Teil 2”. Darin berichtet das Multitalent Haverkamp, in Grefrath als Kabarettist, Buchautor und Jazzer längst ein guter alter Bekannter, von den schlimmen Zuständen des Karl-Heinz-Plum-Guminasiums.

“So isses wirklich”

Seine Themen treffen den Nerv: Die ärgerliche, oft auch hinderliche Schulbürokratie, der Elternsprechtag, bei dem es oft gar nicht mehr um die Schüler geht und der auch schon einmal zu eskalieren droht. “So isses wirklich, wie vor einem Spiegel”, findet Herbert Hürtgen, Lehrer an einem Berufskolleg am Niederrhein. Das findet auch Herbert Peters, Gymnasiallehrer aus Mönchengladbach: “Voll aus dem Leben”, sagt er. Die Figuren seien idealtypisch dargestellt, aber die Geschichten stimmten in den Fakten, seien zudem blendend erzählt. Peters kennt Haverkamp persönlich seit vielen Jahren und hört ihm immer gerne zu.

Der Kabarettist kreiert mit intelligenter Sprachakrobatik und witziger Satire herrliche Typen. Man kennt sie irgendwie alle: Die zarte Musikpädagogin Fräulein Müller-Siebenknick, Sportlehrer Kreuzbein, der so arg mit den Fremdwörtern fremdelt, und allen voran der trinkfeste Monsignore Stramm, mit dem man an einem Ecktisch im “Goldenen Schlüssel” jeder Lage Herr werden möchte, egal ob Mosel, Saar oder Ruwer.

Wendelin Haverkamp mixt neben immer wieder gern gehörten Klassikern aus früheren Programmen wie den bekannten “Bundesjugendspielen” auch neue Texte. Themen wie “These-Antithese-Prothese”, “Der Lyrik-Workshop”, “Der Mann in der Krise”, “Das Mündliche”, “Feste feiern”, “Mach mal Pause” und “Die Kaffee-Lehrer-Versorgung” sind allesamt fein gesponnene Geschichten mit hohem Wiedererkennungswert.

Leise Zwischentöne

Ein höchst vergnüglicher Abend, voller hintersinniger Pointen, mit feinem Humor und leisen Zwischentönen. Nach Zugaben, die das begeisterte Publikum erklatschte, verkaufte Karl Gross allerhand Exemplare des vorgetragenen Buches, die von Haverkamp geduldig signiert wurden. Mit 95 Zuhörern – so viele gab es hier noch nie – war die Kapazität des kleinen Ladens restlos erschöpft.