WZ vom 12.11.08

Lyrisch, stampfend, verspielt

KULTUR AM MONTAG Zum Zehnjährigen gab es in der Buchhandlung ein Konzert mit Songs von Randy Newman.

Von Detlef Herchenbach

Grefrath. Als der letzte Ton ge­spielt, der letzte Applaus eher wi­derwillig verklungen war, schien Gastgeber Karl Gross um Worte zu ringen. „Ich bin absolut von den Socken. Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass solch tolle Musiker hier auftreten.“ Gemeint waren Manfred Maurenbrecher, Richard Wester und George Nussbaumer.
Am Montagabend war das deutsch-österreichische Trio mit seinem Randy-Newman-Projekt in der Grefrather Buchhandlung am Markt zu Gast — und sorgte für haltlose Begeisterung im aus-verkauften Haus. „Etwas ganz Besonderes“ sollte es werden, das Konzert zum Zehnjährigen der „Kultur am Montag“, hatte Gross bei der Begrüßung versprochen. Und er sollte recht behalten…

Sarkastische Texte über Newmans Hassliebe zum Heimatland USA
Das Markenzeichen der Newman-Songs ist die Mischung aus meist sarkastisch-satirischen Texten, in denen es immer wieder tun die Hassliebe zu seinem Hei­matland USA geht, und eingängi­ger, manchmal harmlos Hingen-der Musik. Eine fast schon hinter­hältige Mischung…
Nussbaumer, Maurenbrecher und Wester beeindruckten in je­der Beziehung. Musikalisch gab es lyrische Töne, es stampfte die erdige Rhythm- & Blues-Maschi­ne, verspielte Melodien perlten zu Liebesliedern und Ragtime-An­leihen waren zu hören. Dabei röhrte Saxofonist Richard Wester mit seiner „Kanne“ und presste Expressives aus der Mundharmo­nika, George Nussbaumer griff vehement in die Keyboard-Tas­ten, für seine Verhältnisse zaghaft gab es Unterstützung von Man­fred Maurenbrecher am Klavier.
Den Gegensatz bildeten die Texte, die oft alles andere als freundlich oder harmlos waren:
„Ich will dich so quälen, wie ich‘s tu“ oder „Komm wir drücken
auf ‘n Knopf“ über die Vernichtung der Welt.
Das i-Tüpfelchen dieses Projektes ist die Präsentation der Texte. Der eine spricht, der ande­re singt — eindringlich ist beides. Maurenbrecher redet in seiner eher literarischen Art. Nussbau­mer hingegen singt, röhrt, ver­leiht den Original-Texten mit sei­ner abgründig schwarzen Stimme eine neue Dimension. „Der ist ja ein Hammer, unglaublich“, flüs­tert eine Zuhörerin angesichts der Interpretationen von „You can leave your hat on“ Da könnte so­gar Altmeister Joe Cocker blass werden vor Neid.
Nach zweieinhalb Stunden war dann Schluss bei der „Kultur am Montag“. Wie es sich gehörte, gab es Symbolträchtiges als letz­ten Song: „Something special tat 1 love.“ Passender war dieses Ran­dy-Newman-Projekt kaum zu beschreiben…

KOMPONIST

Der amerikanische Komponist und Pianist hat viele Songs geschrieben, die oft andere Interpreten berühmt gemacht haben, darunter Joe Cocker, Nina Simone und Katie Melua.

DEUTSCH

Seit gut 30 Jahren gibt es deutsche Ubersetzungen seiner Texte, u.a. von Ulla Meinecke und Manfred Maurenbrecher.