RP am 09.07.2008

Faszinierende Zeitreise

Grefrath (RP) Zu seinem 75-jährigen Bestehen hat sich der Heimatverein Grefrath ein ganz besonderes Geschenk gemacht: Sein Buch „Grefrath Bilder erzählen Geschichten“ ist erschienen.

Schon wenn man das Buch in die Hand nimmt und das alte Foto einer Mädchenklasse aus dem Jahr 1933 auf dem Cover betrachtet, wird die Geschichte spürbar, die sich in den folgenden 128 Seiten versteckt. Das Gefühl einer Zeitreise kommt auf und das ist es auch. 233 bislang weitgehend unveröffentlichte Aufnahmen, die die Geschichte der Gemeinde Grefrath vom Anfang der 1930er bis zum Ende der 70er Jahre erzählen, warten auf den Betrachter.

„Das Ergebnis unserer Arbeit ist ein Mosaik, in dem zweifellos Steine fehlen. Aber wir vermitteln nichtsdestotrotz einen Eindruck des gesellschaftlichen und sozialen Lebens in der Gemeinde Grefrath“, freut sich Herbert Küsters, Vorsitzender des Heimatvereins Grefrath, der das Buch jetzt vorstellte. Im Rahmen der Reihe Kultur am Montag in der Grefrather Buchhandlung Groß hatte es seinen ersten Auftritt vor voll besetztem Haus.

Küsters ließ zunächst noch einmal die Geschichte des Buches Revue passieren. Diese nahm vor vier Jahren ihren Lauf, als erste Überlegungen im Heimatverein getroffen wurden, anlässlich des sich nahenden 75. Jubiläums ein solches Buch herauszubringen.

Der Kontakt zum Erfurter Sutton Verlag, der sich auf historische Reihen spezialisiert hat, entstand. Und damit fiel der Startschuss für das große Sammeln der alten Bilder, das Sortieren und die letztendliche Entscheidung, welches Bild seinen Weg in das Buch finden sollte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Heimatverein hat es mit dem Buch geschafft ein Spiegelbild dieser Zeit entstehen zu lassen. Die faszinierenden Fotografien zeigen nicht nur bauliche Veränderungen, sondern auch bedeutende Ereignisse und bieten vielfältige Einblicke in das Alltags- und Berufsleben der Grefrather.

Und zu fast jedem Foto gibt es ein Anekdötchen, von denen Küsters bei einem Durchgang durch das Buch einige zum Besten gab. Die Seite 13 zeigt so das ehemalige Krankenhaus in den 50er Jahren. „Es handelt sich hierbei um eine Postkarte, die mein Vater verkaufte. Ich weiß noch, dass mein Vater früher furchtbar geschimpft hat, weil auf der Karte im Vordergrund ein Bauer zu sehen ist, der Mist ausfährt. Eine solche Karte verkaufe sich nicht, war sein Kommentar“, plaudert Küsters aus dem Nähkästchen. Für den Abdruck war es gerade dieser Bauer, der den Ausschlag gab. „Er zeigt einen Teil der bäuerlichen Arbeit“, erklärt Küsters.

Die Zigarrenfabrik von Grefrath, die Gaststätte der Familie Baum, die die Arbeiter der gegenüberliegenden Plüschweberei bei Erhalt der Lohntüte erst einmal besuchten oder die bekannte große Schaukel von Haus Bruch, mit dem Buch wird so manche Erinnerung bei älteren Lesern wach. Jüngere Betrachter dagegen erhalten einen breit gefächerten Einblick in diese Zeit.