RP am 11.01.2008

Jazz im Bücher-Schaufenster

VON JÜRGEN KARSTEN

Grefrath (RP) Draußen staunten Passanten, was sich da im Schaufenster der Grefrather Buchhandlung abspielte. Drinnen hörten Besucher bei „Kultur am Montag“ in der Buchhandlung von Karl Groß dem Engstfeld-Weiss-Quartett zu.

Heiß ist es an diesem Abend, zeitgleich läuft der EM-Knaller Niederlande gegen Italien im Fernsehen, und doch hat Karl Groß in seiner Grefrather Buchhandlung zu seiner seit Jahren ambitionierten wie erfolgreichen Reihe „Kultur am Montag“ die Hütte wieder gut gefüllt. Das spricht für sich. Draußen schlendern Mädchen mit Eistüten vorbei, ein Vater mit Kind kann sich vor der Tür von den Jazzklängen gar nicht trennen, und ein alter Mann schaut neugierig durch die Scheiben, was die schwarz gekleideten vier Männer da in der Buchhandlung für Musik machen: Es spielt das Köln-Düsseldorfer Engstfeld-Weiss-Quartett – Jazzmusik auf hohem Niveau.

In einem Frisiersalon gespielt

In einem Frisiersalon in der Landeshauptstadt haben die vier Premium-Jazzer schon gespielt, im Schaufenster einer Buchhandlung noch nicht, sagt Wolfgang Engstfeld, der Virtuose am Tenorsaxofon, der seine musikalischen Qualitäten einmal mehr unter Beweis stellt. Ob warmer Klang seines Instruments bei elegischen Stücken wie den Bluesballaden oder attackierende Passagen – er überzeugt.

Ihm zur Seite ein Drummer wie Peter Weiss, der ebenso kraftvoll treiben kann wie weiche, federnde Rhythmusakzente zu setzen weiß. Dazu mit Hendrik Soll ein außergewöhnlicher und intuitiver Pianist, der den beiden nicht nachsteht, und ein kongenialer Begleiter am Bass, Christian Ramond.

Dreißig Jahre machen Engstfeld und Weiss miteinander Jazzmusik, sechs Jahre gibt es das Jazzquartett in dieser Formation. Gespielt haben sie auf allen Erdteilen, bis auf Südamerika. Dorthin geht es noch in diesem Jahr: zum Gastspiel in Belo Horizonte in Brasilien.

In Grefrath spielen die vier Ausnahmemusiker Arrangements von Robert-Schumann-Liedern nach Texten von Heinrich Heine. Für den Jazz gänzlich ungewöhnliche Titel wie „ Ein Jüngling liebt ein Mädchen“ und „Im wunderschönen Monat Mai“. Dann wieder Eigenkompositionen wie zum Auftakt „Lumbago“ von Wolfgang Engstfeld. Was soll man mehr bewundern bei dieser Formation? das variable Spiel des Tenorsaxofonisten, die nicht minder exzellente Schlagzeugarbeit, die akzentuierten, ideenreichen Pianoklänge oder den prächtig unterstützenden Bass? Alles in allem eine Demonstration von Jazz auf hohem Niveau.